Meine Lieblingssysteme. Eines davon spiele ich gar nicht.

Momentan zähle ich ja LabLord,  Dungeonslayers und DnD 4E zu meinen Lieblingssystemen. Das ist deshalb erwähnenswert, weil wir zwar DS und 4E spielen, aber kein LL. Grund genug für mich, mir dazu mal ein paar genauere Gedanken zu machen. Warum also LL,DS und 4E?

Nach längeren Versuchen in verschiedensten Settings und Genres fiel einfach auf, dass mir Fantasy RPG am meisten liegt. Ich habe diverse Modern-Mystery-Spiele probiert (u.a. Kult, WoD, Unknown Armies, Cthulhu), dann Cyberpunk, ein paar SciFi Sachen aus eigener Feder, mich mit Fading Suns beschäftigt, ein paar Indies gelesen und getestet und damit eine Menge Spaß gehabt. Ich mixe hier gerade wild Setting, Spielstil und Genre, aber es geht erstmal um die allgemeine Erkenntnis: Mir macht RPG in welcher Art auch immer allgemein mehr Spaß, wenn es Fantasy ist. Ich habe dann mal meinen Schrank durchstöbert, was es da so zu entdecken gibt. Dabei fielen mir erstmal die Reste der alten DSA Sammlung in die Hände, größtenteils Material der dritten Edition. Leider war das nicht das Richtige. Vieles an Aventurien mag ich, zum Beispiel eine gewisse Bodenständigkeit, die fehlenden Anglizismen, manche Quellenbände und den Thorwaler auf dem Cover der Basisbox. Leider gibt es auch viel, was ich nicht mehr mag. Dazu zählt das Regelsystem, die Welt mit all ihren Kulturen nebeneinander, viele der SL Tipps und eigentlich alles nach dem Jahr des Feuers. Naja, eigentlich fast alles nach dem Orkensturm. DSA kam also nicht infrage. Dann war da noch das PHB von Dungeons & Dragons 3.5. Das kam leider auch nicht in Betracht. Ich hatte es seit Ewigkeiten im Schrank und nie kapiert, wo der Reiz an dem Spiel liegt. Zuviele Regelinformationen, zuwenig Fluff, kein Setting – quasi der Gegenentwurf zu den Gründen, warum ich DSA nicht nehmen konnte, aber auch nicht zufriedenstellend. Hero Wars war auch noch da, aber das ist das einzige Regelsystem, was ich bisher mehrmals zu lesen versucht habe, ohne es zu verstehen. Exalted – nett, aber zu abgehoben. Die ganze Überlegung gipfelte in den spontanen Kauf des Core Sets von DnD 4E. Das war ein Augenöffner:

–> DnD4E ist Powers, Leveln, Dungeoneering und Fantasy ohne viel Ballast.

Im Gegensatz zu alten DnD Editionen mochte ich diese Version auf Anhieb. Das Powerssystem ist zwar erstmal gewöhnungsbedürftig, macht aber vor allem auf gamistischer Ebene Spaß. Es gibt viele bunte Klassen (und Rassen. Mir manchmal zu bunt) mit vielen bunten Fähigkeiten, die Bücher sehen toll aus, es macht Spaß, sie zu lesen und es gibt zumindest ein bisschen Setting. Die 4E ist deshalb so toll, weil sie erlaubt, einfach Dungeon Spaß zu haben und brachte mich darauf, dass nicht nur Fantasy, sondern durchaus auch mal Prügel Fantasy mit Dungeons Spaß machen kann. Ich war ja noch immer vom DSA Dogma des atmosphärisch-realistischen Spiels beeinflusst. Faktisch wurde mir bewusst, dass ich auch trotz Dungeons Spaß haben kann🙂

Und dann habe ich mir ebenfalls eher aus einer Laune heraus Dungeonslayers besorgt.

–> DS tut das gleiche wie DnD, aber bodenständiger.

Mein größtes Problem mit der 4E ist ja die „american style fantasy“. Unter diesem Begriff fasse ich für mich jene Stilistik, die durch einen hohen Powerlevel, massig Spezies, Magie als Alltagslösung und generell die Auffassung besticht, dass man in der Fantasy so ziemlich alles machen kann, weil es ja Fantasy ist. Und DnD hat eben haufenweise races, classes, powers (auch wenn ich das Konzept mag), magic items und mehr. Dungeonslayers nannte sich dann „altmodisches Rollenspiel“ und beschränkte sich auf drei klassische Rassen und für die Anfangsstufen mit drei typischen Klassen, die man aber durch das Talentsystem ausbauen konnte. Dazu kommt das sehr deutsch klingende Caera Setting, die hübsche Aufmachung, das handliche Format und ein bestandener Spieltest, nach dem DS für unsere Gruppe als spaßig angenommen wurde. DS bedient eigentlich die gleichen Dinge, die ich an der 4E schätze, verzichtet aber auf den american fantasy Touch. Man merkt dem Spiel an, dass es ein deutsches Spiel ist. Das darf hier positiv verstanden werden und man stelle sich dabei bitte einen glasigen Blick vor, der mein Gesicht bei dem Gedanken an den schwarzen Turm, dem Einstiegsabenteuer aus der DSA3 Box, ziert und ein weinendes Auge beim Gedanken, dass DSA mir nicht mehr alles bietet, was ich haben will. Elfen, Zwerge, Menschen. Mehr brauch ich eigentlich nicht zum glücklichen Fantasy Rollenspiel. Und es gibt Material. Haufenweise gutes, kostenloses Material. Wiederum die Einfachheit. Einen Dungeon2Go zu leiten, erfordert wenig Vorbereitungszeit. Außerdem kann ich damit  so viele Settings bespielen, die für D20 veröffentlicht wurden und interessant klingen, die ich aber nicht mit DnD3 spielen würde. Wir bespielen momentan die Iron Kingdoms mit der 4E, aber an manchen Stellen hakt es und das Powers System erlaubt kaum, Spezifika einzubauen. DS sollte eigentlich besser klarkommen. Falls mir also mal Midnight spielen wollen, vermutlich mit DS. Dungeonslayers ist also deshalb toll, weil es konsequent einfach, nicht jedoch detailarm ist und meinen Hang zu eher bodenständigerer Fantasy bedient.

–> Und was ist jetzt mit Labyrinth Lord?

Tja, Labyrinth Lord. Ich habe es gelesen, getestet und zumindest mal kurz bei Moritz auf der RPC spielen können (leider viel zu kurz). Es ist nichts, was ich tatsächlich längerfristig spielen wollte. Labyrinth Lord ist aber ein Augenöffner, was Design, Inhalte und Mechanismen und Fantasy RPG angeht. Das gilt für das Grundbuch wie auch für die Abenteuer. Söldner, Monster, Dungeons, Gerüchtetabellen, Ortsbeschreibungen, Kartenmaterial. Die Bücher haben nicht die schönsten Illustrationen, aber in ihnen stecken tausende von Dingen, die ich wiederum für die anderen beiden Spiele nutzen kann. Seien es zum Beispiel die angesprochenen Söldner. Ich bin vorher einfach nie auf die Idee gekommen, dass SC Leute anheuern könnten oder das auch nur in Betracht ziehen würden. Insgesamt macht es aber nunmal auch Sinn, dass die SC nicht die einzige sind, die in der weiten Welt umherziehen und sich ihr Geld mit Aufträgen verdienen. Warum also sollen die SC nicht nebenbei auch einmal Auftraggeber für jemand anderen sein? Oder nehmen wir Drachen über Larm. Das Echsenmenschendorf ist eine tolle Location. Insgesamt begeistert mich das System dadurch, dass es mir für andere ausgetretene Pfade, die ich bisher gemieden habe, schmackhaft macht. Ich fasse das alles mal unter dem Begriff Weltendesign zusammen. Labyrinth Lord hat Mechanismen und auch fertige Pakete wie die Abenteuer, die für klassisches Abenteurern nicht unerlässlich sind, aber zumindest Anregungen und  ein bisschen mehr an Spielspaß bieten. Ich liebe und begreife LabLord als meinen großen Ideenbaumarkt. Hier findet sich haufenweise Zeugs, dass ich so oder in wenig geänderter Form für meine eigenen Projekte brauchen und benutzen kann. Ob jetzt Monster, Abenteuer, NSC (ich will unbedingt einen gewissen fiesen Kobold einbauen. Da überlege ich allerdings, ob ich dazu nicht dann tatsächlich aus Originalitätsgründen auch LL benutze.), ich kann mich bedienen. Ich kann Larm woanders hin versetzen, die Söldnerregeln oder Moralregeln fast 1:1 übernehmen, mich an den OPDs erfreuen.. Damit hat LabLord es auf meine Favoritenliste geschafft, ohne dass ich es spiele.

 


10 Kommentare on “Meine Lieblingssysteme. Eines davon spiele ich gar nicht.”

  1. Guter Beitrag, dem kann ich mich anschließen.🙂

  2. Marcus sagt:

    Bruder Goblin, an mein Herz. Ich finde mich in deinen Lieblingssystemen und auch den Begründungen für die Systeme fast zu 100% wieder, mit dem Unterschied, dass bei mir Dungeonslayers und LL die Rollen tauschen.

    Viele Grüße,
    Marcus

    • Tarin sagt:

      Interessant. Eigentlich dachte ich, dass ich zumindest mit DnD4 in der Liste allein bin.

      • TheClone sagt:

        Es scheint doch einige 4eler in Dtl. zu geben, aber die trauen sich nach dem ganzen 4e-Bashing wahrscheinlich nicht mehr unverkleidet auf die Straße. Bei mri ist es mittlerweile definitiv zum Lieblingssystem geworden. DS finde ich auch interessant, habe es aber noch nicht gespielt.

  3. Und… was macht D&D4 jetzt bezüglich deiner Kritikpunkte anders als D&D 3.x? Weil in bezug auf deine Kritikpunkte an 3.x sehe ich zwischen beiden keinen unterschied…

    • Tarin sagt:

      Ich finde, es erschließt sich besser. 3.x (ich kenne wie gesagt nur das PHB) war voller Infos, wo ich mich fragte, wo jetzt der Sinn im Spiel zu finden ist. Beispielsweise, dass manche Völker X Fuß Dunkelsicht haben, andere Y Fuß und andere wiederum Nachtsicht. Mir waren zuviele Kleinigkeiten darin, die sich kaum unterschieden. Das ist in der 4E zwar auch vorhanden, aber ich finde mich in den Büchern besser zurecht.
      Oder nimm Prestige Classes. Haufenweise extra Regeln, welcher Hit Die nun gilt, welche Feats man nehmen darf, was wann und wo nun gilt. Oder das Magie System, das in der 4E durch die Powers abgelöst wurde. Solche Sachen störten mich an der 3.X und das ist in vielen Fällen in der 4E nicht mehr vorhanden.

      • TheClone sagt:

        also ich finde diese ganze Kleinigkeiten, die einen bei 3e so aufhalten und es so (unnötig) kompliziert machen sind bei 4e einfach nicht mehr da. Mag etwas Flair fehlen dadurch, aber dafür kann man es auch ohne Regel-Jura-Diplom und 20 Bücher spielen.

  4. Tarin sagt:

    The Clone:
    Wobei ich da fairerweise anmerken muss, dass ich auch schon bei der 4E mittlerweile eine Menge zu schleppen habe. 3 PHBs, die Monsterhandbücher, ein DMG. Dazu Abenteuer, eventuell Campaign Setting, Kleinkram. Und ich hab noch nichtmal die Powers Bücher und lasse bewusst die Finger von den Essentials. Die Sourcebook Flut gibts auch bei der 4E. Erst recht, wenn du Material von anderen Herstellern dazunimmst.

    • TheClone sagt:

      Ja, da hast Du Recht. Ich meinte aber eher, dass man bei 3e die Bücher braucht um die Regeln nachzuschauen. Bei 4e muss ich sehr selten Regeln nachgucken. Als SL braucht man natürlich sein(e) DMG(s) und Monsterbücher. Aber als Spieler steht alles was man sich im Regelfall nicht merken kann auf dem Charbogen. die PHBs würde ich z.B. nicht mitnehmen, außer eins für die Grundregeln. Ich schaue auch gerade, ob ich mir das Rules Compendium bestelle. Das ist zwar Essentials, aber enthält ja keine neuen Builds oder so sondern fast einfach nur alle aktuellen Regeln zusammen. Es enthält auch die DC by level-Tabelle aus dem DMG. Nur ob der Damage by Level auch drin ist, weiss ich noch nicht. Das heißt in der laufenden Runde, wenn man nicht gerade Monster (kann man sich ja auch vorher per Compendium, Monster builder oder http://www.power2ool.com vorher ausdrucken) oder Schätze raussucht, braucht man dann nur noch ein Buch. Selbst für Impro tut es dann.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s