Gemeinsprache: STONK!

Mich nerven die üblichen Common Tongues eigentlich. Ja, sie erleichtern das Spiel und vielleicht hab ich da auch nur als Teilzeitlinguist meine Probleme mit. Aber es stört mich, weil es ja genug andere Möglichkeiten gibt, die man nutzen könnte. Immerhin verständigen sich auch in der außerspielischen Realität verschiedene Völker miteinander. Als da wären Pidgin Sprachen oder auch die Praxis diverser Händler (soweit ich weiß u.a. die Hanse), eine fremde Sprache zwar nicht sprechen, aber zumindest verstehen zu können. Oder man denke an die Scene in „Der 13. Krieger“ relativ zu Beginn, wo man erst eine gemeinsame Sprache finden muss, um sich zu verständigen – in diesem Fall griechisch. Das gefällt mir generell ganz gut, weil es die Fremde fremd macht und man sich wirklich „woanders“ befinden kann.

Das lässt sich alles relativ simpel in ein RPG umsetzen: Zunächst werden alle Sprachen gesammelt, die in einem Setting gesprochen werden. Klassiker wären da die jeweiligen Sprachen der nichtmenschlichen Völker wie elfisch, zwergisch, hobbitisch, orkisch. Daraus machen wir für die Elben schonmal Hochelfisch als die alte Sprache der Elfen vor dem Fall und Waldelfisch, Auelfisch und je nach Setting weiteren. Die Zwerge sprechen normalerweise Zwergenzunge, die Gelehrten auch Altzwergisch. Hobbits sind nicht sonderlich zahlreich, hier genügt uns eine einzelne Sprache. Allerdings sprechen bei weitem nicht alle Hobbits hobbitisch, gerade nicht jene, die in Städten fern der Heimat ihr Glück machen. Orks grunzen sich gern an und jeder Clan hat seinen eigenen Dialekt. Wer aber grob orkisch versteht, kann sich mit Händen und Füßen verständigen. Dann natürlich die Sprachen der Menschen. Hier wird dann gerne das praktische „Common“ eingesetzt, wir ersetzen es hier aber durch mehrere Sprachen der Menschen. Der Einfachheit halber nennen wir sie ersteinmal Nord-, Ost-, Süd- und West- und Mittsprache. Dazu gibt es dann ein paar Spezialsprachen wie Diebeszunge, Gelehrtensprache und die Dunkle Sprache. Das sind schonmal insgesamt 15 Sprachen. Gängig erhalten SC zu beginn ihre Volkssprache und die Gemeinsprache. Wir setzen nun die Anzahl der Sprachen auf Heimatsprache (verstehen,lesen,schreiben) + W6 Fremdsprachen (verstehen) oder W3 Fremdsprachen (verstehen, lesen) oder eine weitere Sprache (verstehen, lesen, schreiben). Hohe Intelligenzwerte, Talente, Sonderfähigkeiten und natürlich spätere XP können zu neuen Sprachen werden.

Daraus entwickelt sich im Idealfall eine Welt, in der nicht jeder mit jedem kommunizieren kann, obwohl der eine aus der Wüste, der andere aus dem Ewigen Eis kommt. Aber durch viele Sprachen, die man zumindest verstehen kann, umgeht man die Unbeweglichkeit. Ein solches Spiel könnte zur Eingewöhnung zunächst in einem kleinen Gebiet stattfinden, wo eine Sprache vorherrscht und fremde Sprachen v.a. bei Reisenden, Händlern und Abenteurern zu finden sind. Nach den ersten überstandenen Abenteuern können sich die SC dann selbst in die Fremde wagen. Und es wird tatsächlich mal interessant, in welcher Sprache das alte Buch in der Verliesbibliothek geschrieben ist.

In diesem Sinne au revoir, bye bye, ciao und alles Gute,

Tarin🙂


5 Kommentare on “Gemeinsprache: STONK!”

  1. CeCe sagt:

    Ich als Spielleiter (D&D 3.5 in Faerûn) habe die Gemeinsprache eigentlich immer gestrichen. Ein befreundeter Spielleiter stellt es als Pidgin, basierend auf einer Sprache der Menschen, dar. Wir sind beide keine Linguisten, stören uns aber dennoch daran, dass jeder einfach so mit jedem reden kann…😉

  2. belchion sagt:

    Ich fand es eigentlich immer störend, wenn es keine von allen Charakteren gesprochene und verstandene Gemeinsprache gab. In unserer außerspielischen Welt nimmt schließlich Englisch die Rolle der Gemeinsprache ein, die praktisch jeder zumindest rudimentär spricht und versteht.

    Und was die Bücher usw angeht – nur weil jeder irgendwie Gemeinsprache spricht, heißt das nicht, dass alle Bücher darin geschrieben sind. Trotz der Gemeinsprache Englisch findet man ja heutzutage auch lettische, baskische und gälische Texte in Bibliotheken rumfliegen. Gerade bei alten Texten ist Englisch sogar eher ungewöhnlich, die sind meistens in Latein, Assyrisch oder ähnlich antiken Sprachen verfasst.

    • Tarin sagt:

      Fantasy orientiert sich aber meist eher am Mittelalter, wo das mit den Sprachen anders aussah. Natürlich wird es für das Spiel ein bisschen nervig, wenn jeder zweite NSC nicht verstanden wird. Aber wenn die Gruppe ausreichend Sprachen versteht und ein paar auch spricht, lässt sich das umgehen. Was du meinst, würde ich am ehesten in Form der Gelehrtensprache unterbringen. In den menschlichen Ländern hat sich unter Magiern und Wissenschaftlern eine Sprache zur Verständigung über Landesgrenzen hinaus etabliert. Personen dieses Standes können sich verständigen – das heißt aber nicht, dass Jupp von der Südstraße mit Peer von der Weststraße reden kann. Es sei denn, einer von beiden versteht sich auf die Sprache des Anderen.
      Im Spiel macht das dann nicht so den großen Unterschied, für mich wirkt die Welt dann aber stimmiger. Das ist wie mit IT Religionen. Manchen sind sie abseits von Kraftquellen für Kleriker egal, anderen (wie mir) genügen sie erst ab einem gewissen Detailgrad.

    • vaxr sagt:

      „In unserer außerspielischen Welt nimmt schließlich Englisch die Rolle der Gemeinsprache ein, die praktisch jeder zumindest rudimentär spricht und versteht.“

      Geh mal nach Japan, verlasse den Flughafen und schau, wie weit du mit Englisch kommst😉.

  3. Es ist immer eine Balance-Akt zwischen interessanter Herausforderung/Reiz des Exotischen auf der einen und Pragmatismus/Spielbarkeit auf der anderen Seite. (Den Realismus lasse ich mal bewusst beiseite.)
    OK, es ist witzig, wenn es drauf ankommt, wer sich gerade mit wem verständigen kann. Aber Rollenspiel lebt eben auch davon, dass die Leute möglichst viel miteinander reden. Da werden Sprachbarrieren schnell zum Spielhindernis.
    Für meine aktuelle Runde, in der Fremdsprachen bislang keine Rolle gespielt haben, schwebt mir Folgendes vor: Neben der (in diesem Falle gemeinsamen) Muttersprache wählen die Spieler eine passende Fremdsprache. Jede weitere Sprache erwerben sie automatisch, _nachdem_ sie ein Abenteuer unter entprechenden Muttersprachlern gespielt haben. Damit haben wir einmal pro Sprachraum (so viele sind’s in der Welt nicht) den Reiz des Exotischen und dann kann man sich wieder auf anderes konzentrieren.


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