Die Zukunft: Wieder ein D&D für alle?

Cyric hat in seinem Blog auf eine interessante Artikelreihe auf TheEscapist zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Dungeons&Dragons aufmerksam gemacht. Gerade der Artikel „The State Of D&D: Future“ birgt ein paar nette Einblicke und dürfte die Gerüchteküche zur 5E anheizen. Dafragt Mike Mearls beispielsweise mit Blick auf die Spaltung in der Szene, die die 4E hervorrief:

„How do we get all these guys back together, so we actually have real communities, not just a bunch of separate smaller communities, that don’t really interact in any way?“

Das ist ja erstmal eine gute Idee. Für die Wizards sowieso, aber auch in der Wahrnehmung der breiten Masse wie auch in der Wahrnehmung der meisten Rollenspieler (ok, mal abgesehen vom deutschsprachigen Raum mit DSA) war D&D quasi mit dem Begriff Rollenspiel gleichzusetzen. Dieses in viele Teile zerbrochene Aushängeschild wieder zusammenzusetzen, erscheint als löbliche, aber kaum zu bewältigende Mammutaufgabe.

WotC has also realized in the last few years is that not all D&D gamers are alike. There are some who love 4th edition’s tactical gameplay, while others simply want to participate in epic stories with their friends every week. Some gamers don’t have a lot of time to devote to game sessions, while others would gladly spend all their time playing and reading about D&D. In order to serve each customer well, WotC no longer jams one square-shaped edition or format into a round audience-sized hole but instead offers different games for each potential player.

Naja, ich würde das nicht unbedingt als Zusammenführung und Stärkung von Dungeons&Dragons sehen, aber gut. Der Marke tut es sicherlich gut, aber es bringt nicht die Abkehrer und Aktiven zurück an einen Spieltisch.

Dann kommt allerdings der Teil, der tatsächlich mal eine Richtung zukünftiger Entwicklungen verrät:

With all of these options, it seems that the biggest hole in WotC’s catalogue would be a product for those players who grew up with the game. „Working on a game that’s almost 40 years old now, we’ve seen the complex end. And what happened with each edition of D&D is it got more complex and we need to go back to the original D&D.“ Mearls isn’t necessarily arguing for WotC to reprint the older editions and compete directly with the many retro-clones released by the Old School Renaissance – although there are rumblings – but he wants the company to go back to what drew people to the game in the first place.

Da bin ich dann ja mal gespannt. Dass WotC auch ein Auge auf die OSR hat, verwundert ja nicht weiter. Immerhin basiert das ganze Ding auf ihrem Spiel, wenn auch auf älteren Editionen. Mal ins Blaue geraten und rumgesponnen: Eine 5E mit einem freieren und souveräneren SL, einem recht klassischem Look und mit den üblichen Rassen der 3E? Immerhin redet Mearls ja von Umfrageergebnissen, die besagen, die meisten Spieler spielten hauptsächlich die klassischen Rassen und weniger die bunteren Kollegen aus PHB2 und 3. Ansonsten eher rules-light? Das ist die 4E auch, wenn man nur mit den drei Core Books spielt, aber ich lasse mich gern überraschen.

Alles in allem bin ich nicht sonderlich neugierig. Sicherlich ist man sich bei WotC bewusst, dass man viele Spieler mit der 4E verloren hat und ärgert sich auch sicherlich ein bisschen über Paizo. Wir werden ja sehen, was kommt und wann es kommt. Ich persönlich fände ja eine Abkehr vom DDI sinnvoll, aber andere mögen das anders sehen. Insgesamt ist der Drache nunmal nicht mehr so groß und furchteinflößend wie damals, das Verließ längst geplündert und in verschiedene Richtungen ausgebaut. Als Flaggschiff des RPG ist D&D Geschichte. Es ist nicht mehr anpassbar oder als Werkzeug zu gebrauchen, sondern ein gut gemachtes Spiel, ein fertiges Werkstück. Damit ist es eben eines unter vielen.


6 Kommentare on “Die Zukunft: Wieder ein D&D für alle?”

  1. Tarin sagt:

    Wer kommentieren möchte, kann das gerne hier oder auch im RSP-Blogs Forum machen:
    http://forum.rsp-blogs.de/index.php/topic,1053.0.html

  2. Thomas sagt:

    Die Vormachtstellung von DnD ist keine Funktion seines Regelwerks oder einer „Anpassbarkeit“. Auch 3rd/4th kann ich anpassen, wenn ich will. Was DnD auszeichnete ist ein bestimmte soziale Stellung als „erstes Rollenspiel“, sicherlich als erster Star und erstes erfolgreiches Spiel. Hinzu kommt, dass es eben sehr unvollständig war und damit nicht anpassbar, als Hausregeln ermöglichte, sondern Hausregeln notwendig machte. Aus diesen beiden Fakten – der massiven Verbreitung als erstem Rollenspiel und den sich sehr bald als unfertig und oft wenig brauchbar herausstellenden Regeln – ergibt sich das Phänomen des „myDnD“, diese Berge, bzw. Ordner an Hausregeln, die so an Spielorten herum lagen. Und es ist dieses Phänomen, dem die OSR nachzustreben scheint, und das sie, wie alle Retrobewegungen, verfehlt. Eine historische soziale Realität kann nicht wieder hergestellt werden, weil das kulturelle Bewußtsein heute anders ist. Dementsprechend bleibt die OSR meistens eben auf schlechten und unfertigen Regeln, die mE nicht wirklich wenige – oder rules light – sind, sondern, wie schon bei DnD vor allen unstrukturiert, schlecht designed, uneinheitlich und unvollständig sind. Diesesmal allerdings nicht, weil es ein erster Versuch war und man es nicht besser konnte/wusste, sondern mit Absicht. Keiner dieser ODnD Klone wird aber jemals den Status von DnD 1981 bekommen, sondern, viel mehr noch als die Spaltung zwischen PF/4th/OSR, ist der OSR Bereich ja in Unmengen winziger Systeme gesplittert.
    Der zweite, soziale Aspekt, ist eigentlich nicht wieder einholbar. Mit der Zersplitterung der Rollenspielszene, nicht nur in regionale und lokale Teile, sondern vor allem auch entlang von Systemgrenzen, ist nicht mehr aufzuräumen und es sind vor allem finanzielle Erwägungen, die WoTC/Hasbro davon träumen lassen DnD wieder zu „alter Größe“ auferstehen zu lassen. Das Phänomen DnD ist seit spätestens den späten 80ern Geschichte, ersetzt durch eine heterogene Rollenspiel“szene“, die längst nicht mehr von mit einer Produktreihe abgeerntet werden kann.

    • Tarin sagt:

      Zur Anpassbarkeit:
      Naja, es geht mal besser und mal schlechter. In 4E eine Klasse abzuändern, ist wegen den relativ starren Powers schwer und auch vieles andere wird unübersichtlich durch die schiere Materialmasse (das allerdings noch mehr in 3 und 3.5). Die alten Editionen bis AD&D1 waren da natürlich „robuster“. Man könnte auch sagen, die Regeln waren nicht durchdacht und aufeinander abgestimmt😉 In jedem Fall konnte man als SL oder Spieler an ihnen herumschrauben, neue Elemente einführen und das Spiel leichter anpassen. Das „myD&D“ konnotierst du ja scheinbar eher negativ, ich sehe es als eine der großen Stärken dieser alten Editionen und der entsprechenden Klone.

      Ansonsten sehe ich das aber ähnlich wie du. Die Wizards können ja gerne vom alten Marktführer D&D träumen, nur ist die Marke eben zerfasert und es gibt haufenweise gute Mitbewerber am Markt, der eh nicht sonderlich groß ist. Dennoch scheint man erkannt zu haben, dass einem RPG neben Balancing und Support noch andere Sachen gut tun, z.B. Anpassbarkeit und Hausregelbarkeit. Wenn solche Aspekte in einer potentiellen 5E wieder mehr betont werden sollen, halte ich das für einen klugen Schritt. Auch damit wird das Spiel nicht mehr den „alten Glanz“ bekommen, aber es wäre nicht die dümmste Variante.

  3. Thomas sagt:

    Ich sehe das myDnD nicht notwendig negativ, ich finde nur dass es keine Stärke des Designs darstellt, sondern eine notwendige Konsequenz von an sich eher schlechtem Design. Man kann auch gut mit vielen Hausregeln spielen.
    Ich habe auch nicht das Gefühl, dass 3.x sonderlich hausregelfeindlich ist, es ist nur deutlich vollständiger als oDnD oder ADnD und deshalb braucht es schlicht weniger Hausregeln, was eben auch dazu führt, dass weniger Gruppen Hausregeln aufstellen oder auch mit wenigen Hausregeln zurecht kommen. Was ich an sich für besser halte, schon weil es Spielern, die keine Hausregeln mögen, entgegen kommt. Ich zumindest konnte relativ einfach z.B. eigene Klassen oder Zauber für 3.x erschaffen, bzw. bestehende Klassen abwandeln. In 4E, da hast du ganz recht, sieht dass aber anders aus. Schon weil eine Klasse dort aus 20 Seiten Regeltext besteht und die meisten ihrer Eigenschaften sich nicht entwickeln, sondern durch neue Kräfte ersetzt werden.Dadurch ist es sehr viel Aufwand eigene Klassen zu entwickeln und das Verändern von Klassen wird schwierig.
    Ich persönlich empfinde das Charaktersystem von 4E auch als dessen größte Schwäche und der Grund warum ich mir nicht vorstellen kann es zu ernsthaft spielen, das Kampfsystem fand ich dagegen sehr unterhaltsam.

    • Tarin sagt:

      Das Kampfsystem ist super spaßig, da hat du recht. Die 3 ist die Edition, von der ich am wenigsten Ahnung hab, aber es scheint zumindest relativ gut möglich, eigenes Zeug zu erschaffen, was ja schon die Fülle an D20 Material beweist.

      Die ganze Sache mit myDnD, OSR und Hausregeln mag dann persönlicher Geschmack sein. Ich hab gern wenige, robuste Regeln, an denen ich rumbasteln kann und dafür sind die alten Editionen super. 3.0 und 3.5 haben mich nie sonderlich angesprochen, aber man kann damit wohl eine Menge anstellen, wenn man sich ein bisschen eingearbeitet hat. Ich bastle allerdings ungern mit Blick auf viel Regelmaterial und schon die Suche nach über mehrere Bücher verteilte Feats nervt mich beim Level-Up ein bisschen an.

  4. […] Der Goblinbau hat sich dazu auch schon Gedanken gemacht! Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]


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