Meine Eindrücke zu Isle Of The Unknown

Ich hatte in den letzten Tagen ein bisschen Zeit, um mir IOTU etwas genauer anzusehen, das kürzlich beim LotFP Verlag erschienene Oldschool Sandbox Büchlein von Geoffrey McKinney. Und weil der Belchion im :T:-Chat das haben will, schreibe ich hier eben auch was dazu (das hätte ich sowieso gemacht, aber was solls).

Grundsätzliches:

Ich habe mir das Komplettpaket gegönnt, also Hardcover+PDF+Kartenmaterial. Hier rede ich aber erstmal über das Buch an sich. Das besticht erstmal durch sein Äußeres. Ein vollfarbiges Hardcover mit 125 Seiten im A5 Format weiß zu gefallen. Die Bindung scheint stabil und auch sonst macht das Buch nicht den Eindruck, als würde es bei nächster Gelegenheit zerfallen. A5 ist mittlerweile so oder so meine bevorzugte Größe für RPG Material, wenn es dann noch gut aussieht, gibt es direkt Bonuspunkte. Auch im Buch selbst gibt es zahlreiche Abbildungen von Monstern, Personen, Orten usw, alle handwerklich sauber ausgeführt, wenn auch der Stil sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Die Monster sind relativ bunt und comichaft gezeichnet, während Personen (Zauberer) eher wie Gemälde erscheinen, man nehme hier das Cover des Buches zum Vergleich. Aber schauen wir mal genauer hin, worum es sich denn jetzt eigentlich handelt: IOTU ist eine Sandbox. Eine in Hexfelder unterteilte Insel von ungefähr 25×15 Hexes à 10 Meilen. Der angenommene Hintergrund ist ähnlich einem Frankreich des 14. Jahrhunderts, aber absichtlich offen gestaltet, damit die Insel in laufende Kampagnen gepackt werden kann.

Aufbau:

IOTU hat zwei Karten auf den Umschlagsinnenseiten. Die vordere Karte ist abgesehen von den Hexes und ihren Nummern leer, die hintere, für den SL bestimmte Karte hat darüber hinaus eine Legende und Symbole mit den Dingen, die man in den Hexes finden kann. Das Buch selber beginnt mit einem kurzen Vorwort des Autors und einer Liste von auf der Insel zu hörenden Legenden (Wahrheitsgehalt liegt beim SL. Danach, ab Seite 8, geht IOTU direkt in die Vollen und legt mit den Hexbeschreibungen los. Es gibt keine Geschichte der Insel, keine Gruppierungen oder einen Plot, nur die blanke Sandbox. Dafür erhält man aber auch über hundert Seiten Beschreibungen. Die Inhalte der Hexes lassen sich in folgende Kategorien sortieren: Monster, Magic-User, Clerics, Statuen, Gebietsbeschreibungen und Städte, die Häufigkeit entspricht der hiesigen Reihenfolge der Auflistung. Zuletzt gibt es eine Liste der einzelnen Monster nach Trefferwürfeln, Orten usw. und das entsprechende Hex.

Eindruck:

Die Monster sind sicherlich gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist da der angesprochene Comicstil der Abbildungen, andererseits sind die Monster durchgehend grotesk, aber auch oft genug hart an der Grenze zur Albernheit – und manchmal auch darüber hinweg. Ich habe ja den Verdacht, dass die Monster mit Raggis Creature Generator erstellt wurden und bei der stattlichen Monsteranzahl auch die skurrilen Ergebnisse nicht zu knapp ausfielen. Der Kollege hier rechts mag in bester Fantasy-RPG Tradition stehen, die Rieseneule mit dem pyramidenförmigen Körper (ja, mit Federn und allem, nicht flugfähig) erinnert eher an die lustigen Auswüchse der D&D Monster Manuals. Generell gilt, dass ein normales Tier die Grundlage eines Monsters darstellt, das dann verändert wird. Riesiger, kleiner, mit Sonderfertigkeiten, mit mehr oder auch weniger Beinen, mit Knorpelaxtblättern statt Vorderpfoten – alles ist erlaubt, alles wird genommen. Man muss aber zugutehalten, dass es wirklich nicht ein 0815 Monster im Buch gibt. Jedes einzelne Monster ist neu und muss sich den Platz nicht mit Goblins, Orks und Gnollen teilen.

Dann gibt es die Magic-User. Zu vielen von ihnen finden sich wie erwähnt ganzseitige Abbildungen, die oftmals eher an die Antike, an Schäferdichtung und Hellenismus erinnern, als an das angegebene Frankreich im 14. Jahrhundert. Magic-User bewohnen immer ein Hex, ihrer „Domain“, die meisten von ihnen bewegen sich irgendwo im Mid-Level Bereich. Magic-Usern stehen dabei verschiedenste Fähigkeiten zur Verfügung. Manche können mit Tieren sprechen, viele können sich verwandeln, selber Teil ihres Gebiets werden usw. usw. Sie sind generell eng mit ihrer Umgebung verbunden, variieren aber stark, was ihr Aussehen anbelangt. Es sind nicht immer die Fantasy-Zauberer. Auch Gerüstete, Jäger usw. finden sich unter ihnen. Sie sind eher selten feindselig, sondern eher Begegnungen, die friedlich oder eben auch feindselig enden können, je nach Verhalten der SC.

Clerics sind ähnlich den Magic-Usern zu verstehen, wobei sie (fast?) alle dem scheinbar gleichen Orden angehören, tragen sie doch meist einen roten Wappenrock mit weißem Kreuz. Über den Orden wird ansonsten nie ein Wort verloren, die Ausgestaltung bleibt dem SL überlassen. Sie können ebenfalls Freund oder Feind sein, die meisten besitzen irgendeinen magischen „Twist“ wie magische Ausrüstung, zeitgleiche Existenz an mehreren Orten, Knappen, die mit ihren eigenen Trefferpunkten verbunden sind. Die Kreativität McKinneys kann nicht bestritten werden, jeder Cleric ist ein Unikat.

Statuen sind über die ganze Insel verteilt und stehen generell erstmal nur rum. Unter bestimmten Umständen (Sternenkonstellationen, bestimmte Handlungen der SC, etc.) gewähren sie magische Boni, verfluchen nahetretende Personen oder greifen auch direkt an. Statuen sind hart! Immerhin sind sie aus Stein, was sich in ihren TW und ihren Rüstungsklassen widerspiegelt. Es liegt an den SC, die korrekten Handlungen herauszufinden oder wie auch immer mit den Statuen umzugehen. Die Legenden zu Beginn des Buches beziehen sich oftmals auf die nötigen Handlungen. Die Idee finde ich jedenfalls cool. Zusammen mit den Clerics und MUs hat IOTU damit etwas Eigenes, ein hervorstechendes Merkmal.

Gebietsbeschreibungen und Städte sind dann eben besondere Ortschaften. Die Städte sind nur mit einer Einwohnerzahl und einer kleinen Besonderheit beschrieben („Die Bewohner dieser Ortschaft fürchten die Küste in Hex XXXX und gehen dort selten hin. Man sagt, es spukt dort“), Namen und Aussehen liegen wiederum beim SL. Unter Gebietsbeschreibungen lassen sich alle anderen Gegenden einsortieren. Magische Seen, Teleporthöhlen, Ebenen, dunkle Wälder und ähnliches eben.

Nutzbarkeit am Tisch:

Hier wird es für mich schwierig. Einerseits ist IOTU randvoll mit Informationen, Plothooks, besonderen Monstern, NSC und mehr. Das finde ich cool. Andererseits sagt McKinney selbst, dass im Buch nur die Besonderheiten der Insel beschrieben werden und die Ausgestaltung des „Normalen“ ganz in den Händen des SL liegt. Was also neben dem Monster, dem Magic-User oder Cleric in einem Hex von 10 Meilen Durchmesser wartet, muss noch ausgearbeitet werden. Das erlaubt natürlich, die Insel in fast jede Kampagne einzubauen, die gerade gespielt wird. Andererseits fühle ich mich ein bisschen… veräppelt. Das Buch ist so ohne weiteres nicht einsetzbar, der SL muss im Voraus viel Arbeit in die Insel stecken. Sicherlich ist sie eine schöne Grundlage, aber eben nicht mehr. Wenn ich IOTU spiele, beschränke ich mich also erstmal auf wenige Hexes, die dann ihrerseits mit kleineren Hexes von mir gefüllt werden. Damit lässt sich dann spielen. Faktisch ist es aber eben so, dass ich den Großteil der Arbeit selbst habe und auf alle 10 Meilen eben eine Begegnung geliefert bekomme. Ich kann mich daher nicht entscheiden, ob ich IOTU für seine Kreativität und Fülle an Beschreibungen loben soll oder mich eher über die grobe Skalierung und von mir verlangte Weiterarbeit ärgere.

Fazit:

Isle Of The Unknown bietet ein Grundgerüst für eine große Sandboxkampagne mit eigenem Flair und Besonderheiten. Ob dieses Flair gefällt, muss jeder Käufer für sich entscheiden, aber es ist in jedem Fall etwas Eigenes, gerade durch die wiederkehrenden Elemente (Magic-User, Clerics, Statues) und dem gleichbleibenden, wenn auch teilweise skurril-albernen Stil der Monster. Der SL ist aber gefordert, vor Kampagnenbeginn loszulegen und die gegebenen Informationen zu erweitern, um sie seiner Kampagne anzupassen oder auch nur grob beschriebene Teile ein wenig auszubauen. Als out-of-the-box-Kampagne taugt IOTU nicht, als Ideengeber oder Grundgerüst dagegen schon. Ich vergebe daher keine Wertung, die würde je nach angestrebtem Ziel des Käufers einfach unterschiedlich ausfallen. Wenn möglich, sollte man in das Buch hineinschauen, bevor man es kauft und sich ein eigenes Urteil bilden.

 

Alle Bilder im Bericht stammen von lotfp.blogspot.com/



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