Heartbreaker und eigene RPGs: Ein Mutmacher

Es ist wieder Karneval in der Blogosphere, diesmal mit dem Thema „Selbstgeschriebene Rollenspiele“, das Boyscout von Hoch Ist Gut verwaltet.

Eigentlich ein sehr spannendes Thema. Immerhin hat vermutlich jeder Rollenspieler irgendwann mal mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes System zu schreiben, wahlweise in einem Anfall von Größenwahn oder durch generelle Unzufriedenheit mit verfügbaren Systemen und Settings. Und das Feld ist weit, man findet in den weiten des Rollonets schlecht gemachteHeartbreaker und Krempel, aber auch wahre Kleinode, die dann plötzlich richtig groß werden können. Hier sei beispielhaft auf Dungeonslayers und noch viel mehr auf Barbarians Of Lemuria verwiesen, die beide klein und unscheinbar anfingen, mittlerweile aber sogar internationale Erfolge, SpinOffs und sehr engagierte Fans verbuchen können. Irgendwie träumt ja heimlich jeder davon, sein eigenes Spiel auf einen ähnlichen Weg zu bringen, obwohl es den wenigsten gelingt. Ich bekenne hier aber trotzdem, ein Fan all der Heartbreaker im miesen Layout zu sein.

Dafür gibt es genug Gründe. Zunächst mal lebt das ganze RPG Hobby von der Begeisterung der Spieler. Diese Begeisterung soll und darf sich niederschlagen, in welcher Form auch immer. Ob da eine Dungeonskizze auf Karopapier mit den Worten „Spiel das mal, das hat in unserer Runde gerockt!“ an den befreundeten SL weitergegeben wird oder ein einzelner Spieler/eine Runde ihr eigenes Setting zusammenschreibt und damit Aktenordner füllt, die Begeisterung, der Spaß am Basteln ist nicht zu unterschätzen. Ebenso ist es dann kein Fauxpas, sein Werk stolz wie Oskar teilen zu wollen, sei es auch nur der Aktenordner oder eine unformatierte Word Datei. Ich bin da ganz auf der Seite des Rolpunk Manifests, auch wenn mich der Ton desselben irgendwie nervt.

http://berinkinsman.wordpress.com/2009/09/09/rolpunk-a-manifesto/Ich selber versuche mich ja auch mit dem Heroic East und Grenzberg an der Materialschlacht. Leider kommt jetzt trotzdem noch ein „Aber“.

ABER:

Gerade selbstgeschriebene Rollenspiele sind undankbarer als anderes Material. Sie lassen sich weit weniger gut verbreiten, weil ihr Nutzen in fremden Spielrunden gegen Null strebt. Ein Abenteuer kann mit dem angedachten und auch mit einem anderen System mehr oder weniger einfach gespielt werden. Neue Völker können in Kampagnen eingebaut werden, Hausregeln angepasst werden. Wer für Pathfinder Material veröffentlicht, hat einen Haufen potentielle Interessenten außerhalb der eigenen Runde. Eigene Rollenspiele können höchstens das Interesse einer bestimmten Nische wecken, müssen sich dann aber gegen die Haussysteme dieser Runden durchsetzen. Und seien wir ehrlich: Die wenigsten Runden steigen dann tatsächlich um. Oft hat mindestens der SL haufenweise Systeme im Schrank, die alle schon lange auf ihren Einsatz warten und Staub ansetzen. Oder die besagte Runde kennt nur ein System. Wenn sie wechselt, wird sie das selten hin zu einem kleinen Heartbreaker System tun, sondern eines der großen Konkurrenten nehmen. Und selbst wenn man sein System nur für sich schreibt und ohne große Hintergedanken online stellt, sind die Reaktionen darauf oft genug wenig ermutigend. Systemdesigner zu sein ist ein undankbarer Knochenjob, so muss man es sagen, noch schlimmer als Settingdesigner.

Also warum??

Weil einerseits heute große RPGs und Settings genau so anfingen. Weil Blackmoor einst nur ein Dungeon in Dave Arnesons Hausrunde war und D&D als Chainmal-Hack anfing. Weil die guten Spiele dann eben doch manchmal Aufmerksamkeit erlangen. Weil es Ausdruck der eigenen Begeisterung für das Hobby ist, seinen Krempel, seine Abenteuer, sein Spiel zu veröffentlichen und weil das Hobby davon lebt! Weil es das selbe Prinzip ist, das hinter dem Leiten für die eigene und die Runde auf Cons steht, weil dadurch Ideen verbreitet werden


12 Kommentare on “Heartbreaker und eigene RPGs: Ein Mutmacher”

  1. Jan sagt:

    Und schließlich braucht es 90% Müll, damit es die 10% gegen kann ,die was taugen. Denn von allem ist 90% Mist (wer sagte das noch gleich?). Das ist sozusagen der Berg „Abfall“ (ich übertreibe bewusst) auf dem die Guten stehen können, damit man sie überhaupt sieht.

    • Tarin sagt:

      Ach, ich würde das nicht Abfall nennen. Nimm beispielsweise die Sachen von One Page Dungeon Contest. Sicher sind manche fertig spielbar oder auch einfach kreativer, aber richtig unbrauchbar sind kaum welche. Nur eben ganze Spiele. Die sind so selten partiell zu nutzen und diese ganz-oder-gar-nicht Geschichte macht sie schwer vermittelbar. Die Dungeons kann ich mich einem Haufen Systemen nutzen. Abenteuer, Handouts oder so auch. Müll ist es alles dennoch nicht. Für mich wie beschrieben ein Ausdruck von Begeisterung.

      • Jan sagt:

        Wie gesagt: Ich übertrieb bewusst. Der Großteil ist halt einfach schlechter als der kleine Teil, der dann Durchbruch schafft. Wie schlecht ist Ansichtssache.

  2. aceofdice sagt:

    Sehr schön auf den Punkt gebracht.

  3. […] Ein Karnevals-Artikel vom Goblinbau kann außerdem als Mutmacher dienen (gerade, falls die Folge einen eher kritischen Eindruck […]

  4. edalon sagt:

    Sehr treffender Beitrag.
    …und danke für’s Mut machen!

  5. […] yet another German blog, Tarin recently argued how great it is to write and share your own material, including homebrew […]

  6. Georg Mir sagt:

    Ich geb’s zu. Ich bin froh, dass ich das nicht vor nem Jahr gelesen habe. Sonst hätte mich der Mut verlassen!😉 Auch wenn Du im letzten Paragraph noch einmal alles herumreisst; Du hast sicher recht, dass die meisten gekauften Spiele dann doch nie gespielt im Schrank enden.

    Ich hoffe, dass es zumindest eine Hand voll Runden gibt, die mein Spiel zumindest mal probieren. Ich selbst komm aus der One-Shot-Ecke, also setze ich keine Hoffnungen auf Kampagnenspiel, auch wenn es ein wichtiger Aspekt für manches Spiel ist. Mir würden auch ein paar Einzelabenteuer reichen.😉

    Viel Erfolg noch mit den eigenen Projekten!🙂

    ToiToiToi,
    Georg aus Graz

  7. […] Und weil es nochmal die Ermutigung zum Selbermachen per gutem Beispiel verstärken soll, die ich zu einem anderen Karneval […]


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