Spielvorbereitung? Embrace The Cheese!

Die Karnevalsumzüge bei den RSP Blogs haben einen entscheidenden Vorteil für mich: Ich habe öfters mal Artikel im Hinterkopf, die ich schon länger schreiben will, für die ich aber dann doch nie Zeit finde. Wenn aber ein passender Monatsumzug dran ist, steigt meine Motivation und ich bringe den Artikel endlich aufs (virtuelle) Papier. Genau das passiert aktuell mit dem von Merimac organisierten März Umzug zum Thema Spielvorbereitung. Spielvorbereitung ist ja so ein Thema, mit dem sich der SL mal mehr, mal weniger schwer tut. Ich zumindest habe damit immer ein dickes Problem. Denn meine Spielvorbereitung nimmt immer nur sehr langsam Fahrt auf. Ich sitze vor dem leeren Blatt und bin erstmal ratlos. Da schwirren Ideen, Bilder, Konzepte und wer weiß was noch alles in meinem Kopf rum, aber sie richtig aufzuschreiben oder eine passende Karte zu entwerfen – das dauert.

Ich habe mir also meine persönlichen Tricks und Werkzeuge zurechtgelegt, aus diversen RPGs, Blogs und Webseiten zusammengeschrieben und letztlich doch ein paar Sachen gefunden, die mir die Vorbereitung erleichtern. Und davon möchte ich einen mir persönlich hilfreichen Punkt genauer ausführen. Der Punkt lässt sich auf eine einfache Formel runterbrechen, die da lautet: „Embrace the cheese!“. Das Schlagwort stammt aus den 100 Fantasy Adventure Seeds von „Grim“ Desborough und daher sollte zunächst er selbst zu Wort kommen:

Not every adventure has to be inspired epic, sometimes everyone likes to charge into a tunnel and kill things, rescue the princess or slay the dragon. If you’re out of ideas go for something simple and then embellish it as you go along.

Das ist ein wahres Wort, das man zusammen mit KISS (Keep it simple, stupid!) im Hinterkopf behalten sollte. Nicht immer braucht es unglaublich ausgearbeitete Plots, Verzwickungen und Verwirrungen, nicht jeder Dungeon muss W20+10 Ebenen haben. Darum geht es hier aber gar nicht so sehr. Mir geht es um den Cheese an sich. Kennt ihr das Phänomen, ernsthaft und anspruchsvoll spielen zu wollen? Das hatte ich eine ganze Zeit lang. Kein Bösewicht ohne tiefgreifende Beweggründe, kein Schwarz/Weiß Denken und bloß keine Orks, die einfach nur Monster sind. Vampire müssen Anne Rice Vorlagen gerecht werden, denn einfach nur Nosferatus sind langweilig, ausgelutscht, klischeemäßig und wenn sie dann noch mit osteuropäischem Akzent sprechen, viel zu cheesy, um Spaß zu bereiten. Ja, Käse stinkt. Nicht jeder mag ihn und es gibt auch echt Alternativen, die man sich aufs Brötchen legen kann. Leider macht es sich der SL auch schwer mit diesem Anspruch. Versucht mal, einen leckeren Burger oder einen guten Nudelauflauf ohne Käse zu machen. Ihr werdet merken, es fehlt was. Käse ist einfach eine gute Zutat. Damit kann man was anfangen und die meisten Leute mögen auch den Käse auf ihrer Pizza, selbst wenn sie den blanken Gouda nicht so anregend finden.

Seit ich das bemerkt habe, geht es schon ein gutes Stück flüssiger mit der Vorbereitung. Letztlich geht es nämlich um Klischees. Der finstere Vampirfürst in seinem Schloss auf dem Berg, Türflügel voller Schädelapplikationen und „Ich werrrrrrrrrde dein Blut sauuuuuugeeen!!!“ sind wunderbar, weil jeder am Tisch was damit anfangen kann. Der SL hat eine gesunde, stabile Vorarbeit, auf der er aufbauen kann. Also hier die Grundregeln, um den Käse zu umarmen:

  • 1: Keine Scheu vor Übertreibungen. Wir spielen hier ein Rollenspiel, du musst eine Situation vor die Augen der Spieler stellen. Sicher wird der Vampirfürst nicht dauernd mit Schädeln am Gürtel rumlaufen und seine Zähne sind auch nicht 15 cm lang. Nicht? Doch! Und seine Rüstung ist schwarz, sein Schwert heißt Adersauger und seine Lakaien sind finstere Höllenhunde, Jungvampire und ängstliches, aber geldgeiles fahrendes Volk. Und das Schloss hat tausend Türme, wer weiß, welche Kreaturen da hausen!
  • 2: Keine Scheu vor Klischees. Klischees helfen dir. Witzigerweise kennen alle am Tisch solche Klischees, aber keiner nutzt sie. Alle haben Angst davor, dass der dicke Wirt mit dreckiger Schürze, der Zauberer mit dem spitzen Hut und die unglaublich naive, aber an das gute im Menschen glaubende Königstochter das Abenteuer kaputt macht. Wenn so ein Klischee auftritt, ist es eigentlich schon wieder ein Novum und Abwechslung von der ewigen Abwechslung.
  • 3: Keine Scheu vor einem recht seichten Plot. Es geht um die Spieler. Du brauchst nur eine Situation, die die Spieler erfassen können. Danach können sie handeln. Also keine Panik, wenn die Situation nicht außergewöhnlich ist. Darauf kommt es gar nicht so sehr an. Wie Grim oben schrieb: Manchmal reicht es auch, hinter der nächsten Verliestür Schätze und Monster zu wissen.

Das ist nicht die hohe Schule der Rollenspielerei. Aber seien wir mal ehrlich: Die meisten von uns sind als Schauspieler und Autoren eher gesundes Mittelmaß und nicht die Krone der Schöpfung. Da ist es doch besser, regelmäßig spielbares abzuliefern, als gelegentlich die große Nummer und sonst krampfhafte Andersartigkeit. Es geht um den Spaß an der Sache und den erreicht man auch mit einfachen Mitteln. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal Lust auf die großen Nummern habe. Klar, das macht Spaß. Aber dieses Vorgehen bringt davon ab, jedes Wochenende die nächste große Nummer raushauen zu wollen. Und dann habe ich auch mehr Zeit, das 5-Gänge-Menü vorzubereiten. An den anderen Spielabenden lassen wir uns dann einfach schnell gemachte Käsenudeln schmecken und haben viel Zeit fürs Rollenspiel..


2 Kommentare on “Spielvorbereitung? Embrace The Cheese!”

  1. Jan sagt:

    *unterschreib*

    Klischees finde ich auch in sofern wichtig, als dass sie Orientierung eben. Sonst wissen die Spieler nicht, woran sie sind. Meine Gruppe Neulinge hatte als Quelle hinter Kuhdiebstählen NATÜRLICH die Goblins in der nächstbesten Ruine im Wald. So etwas ist wichtig, gerade wenn die Gruppe noch nicht eingespielt ist.

    Und auf Basis eine solchen einfachen Plots kann man auch noch gerne mal ein richtig gutes Abenteuer entwickeln, denn man kann ihm später, wenn einem Ideen kommen mit diesen verfeinern. Das Schwierigste ist doch immer den ersten Satz auf ein weißes Blatt zu kriegen. Also erst einmal einfach anfangen und dann noch etwas garnieren und fertig ist mit einfachen Mitteln ein gutes Abenteuer, das auch Tiefgang bieten kann.

  2. […] Die Amazon-Produktbeschreibung verreißt das Buch ziemlich. Der Vergleich mit einem Fast-Food-Essen wird hier bemüht. Verglichen zu etwas ‚Richtigem‘ macht das nur unbefriedigend und nicht sehr lange satt. Ein anderer Vergleich wäre Käse. Käse kann stinken, Käse kann man immer nutzen, um den kümmerlichen Versuch von Auflauf (oder sonst überhaupt alles) zu überbacken – manchmal ist das aber auch ganz lecker. […]


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