Kinder, Rollenspiel und Einstiegssysteme

Aktuell läuft im Tanelorn mal wieder die Frage nach passenden Systemen für den rollenspielinteressierten Nachwuchs. Ebenfalls wie immer wird eine Flut an verschiedensten Systemen genannt, die alle irgendwie das Prädikat Einsteigerfreundlich erhalten haben.

Zuallererst: Es tauchen spätestens im dritten Post einer solchen Diskussion englische Spiele auf. Ja, da gibt es tolle Spiele, die zur Zielgruppe passen könnten. Nur leider spricht man mit 10 bis 13 Jahren nicht genug Englisch, um ein solches Spiel zu verstehen. Also völlig egal, welche Gründe es dafür geben könnte: Ein Spiel für Kinder muss deutsch sein, damit die Kinder es spielen können. Klar können Mama/Papa/Onkel/usw. mitspielen und den Erklärbär übernehmen, aber das Spiel soll doch die Kiddies begeistern. Wie soll irgendwas begeistern, womit die Kiddies allein nix anfangen können? Bei all der Auswahl: Es kommen nur deutsche Spiele in Betracht. Und deshalb schau ich mir jetzt verschiedene Systeme an, die bei solchen Diskussion genannt werden.

Dungeonslayers

Nicht schlecht, besonders in der Kürze der vorigen Edition. Damit kann man schnell starten. Die 4E Box ist dafür randvoll mit Markern, einem Abenteuer, einer Karte, fertigen Charakteren usw. Der Charakterbogen ist durch die Symbole überaus eingängig und die Begrenzung auf genau einen Würfel ebenfalls passend. Simple EDO Fantasy ist ebenfalls super. Starte schwach, werde besser, werde zum Helden – das lässt sich gerade in Fantasy umsetzen und ist auch Teil der bekannteren Genrekonventionen.

Labyrinth Lord

An sich ein einfaches System, insbesondere, wenn man Unbefangen herangeht und bei solchen Sachen wie absteigender RK nicht erstmal das Grausen kriegt. Aber man wird ziemlich ins kalte Wasser geschubst, sonderlich viel Unterstützung findet der Neurollo nicht. Nicht unmöglich, aber nicht meine erste Wahl.

Red Box D&D

Das Teil habe ich nie in den Fingern gehabt. Aber Boxen mit entsprechendem Material, einem SL- und einem Spielerheft klingen erstmal tauglich. Davon ab hat das Teil deutschland- wie auch weltweit unzählige Spieler ans Hobby rangeführt. Es scheint also durchaus machbar zu sein. Wahrscheinlich hat es ähnliche Probleme wie LabLord. Wenn aber der Papa/Onkel/Cousin/die Mama/Tante/werauchimmer das Ding noch im Schrank hat, ist es sicher einen Versuch wert. Rote Kästen mit Drachen sehen jedenfalls sehr interessant aus.

DSA in alten Editionen

Endlich mal Erfahrungen aus erster Hand: Mit DSA3 Basis kann man starten, das war meine Einstiegsdroge. Mein dreizehnjähriges Ich hat die Regeln jedenfalls schnell kapiert, man musste ja eigentlich auch nur Schritt für Schritt einen Charakter bauen und dann als Meister das Soloabenteuer durchziehen. Danach konnte man die Spieler schon in den Schwarzen Turm schicken. Absolut Einsteigertauglich und vermutlich in den meisten Rollenspielerhaushalten noch zu finden. Ähnliches gilt sogar noch mehr für DSA1. Das Ding kann man auch einem Zehnjährigen in die Hand drücken und er hat kurz darauf eine Ahnung, wie und wo der Hase läuft und im Pfeffer liegt. Davon ab sind die  1E Basisboxen günstig auf Ebay zu kriegen, wären daher durchaus ein heißer Favorit meinerseits. Wenn nicht – ja wenn nicht die Dinger so lange OOP wären. Gleiches gilt übrigens für die Red Box. Will man zu Beginn denn die alten Dinger spielen? Ich bin jedenfalls ziemlich schnell nach Karstadt gerannt und hab mir Boxen gekauft. Ich wäre vermutlich enttäuscht gewesen, wenn ich „nur“ das alte (aka schlechtere) Set hätte. Eigentlich wäre mir die Empfehlung aktueller Systeme lieber, aber hier gibt es mit DSA4 keine Alternative. Dennoch: Bisher sind die Basis Spiele von DSA 1-3 meine Empfehlungsfavoriten.

Einsamer Wolf

Abenteuerspielbücher sind wohl eine der prominentesten Vorstufen zum RPG. EW hat simple Regeln und man kann sie jedem Interessierten in die Hand drücken. Wenn das Ding Spaß macht, gibt es das Mehrspielerbuch mit den Helden von Magnamund. Gleiche Regeln, mehr Spieler – auf gehts, machen wir Sommerlund unsicher! Für jüngere Spieler, nicht allzu lesebegeisterte Spieler und zum „nur mal antesten“ absolut brauchbar.

Aborea

Kenne ich nur vom Hörensagen. Generell als Einsteigersystem gedacht krankt es angeblich an einigen Komponenten, die den Einstieg erst ab einem gewissen Alter (so 13, 14) erlauben. Dafür ist die Box recht hübsch, mit 20 Euro ziemlich günstig und voller Zeug. Eventuell mal vorher ansehen und nicht blind verschenken.

Destiny Beginner

Ungefähr 50 Seiten schnell zu erklärende Regeln scheinen zunächst passend. Einzig die „große Gabe“, die jeder SC besitzt und die nicht fest definiert ist, erfordert ein bisschen Händchen vom SL. Kann zu arger Powergamerei ausarten, aber das dürfte für die Sprößlinge weniger tragisch sein als für den Altrollo mit Kiesowposter. DND4ler sind sowieso immun gegen jede Art von PG Vorwürfen (ich auch).

1W6 Freunde

Wenn man mal keine Lust auf Fantasy hat, hiermit kriegt man die Detektivgeschichten Fans. Allerdings auch eher was für den Rollo, der mit dem Nachwuchs spielt. Nicht unbedingt mein Favorit.

RISUS

Von den Regeln absolut simpel und verständlich, vielleicht wäre aber ein bisschen Setting dran gut. Als reines Universalsystem vielleicht eine Empfehlung als System 2 oder 3, ein Einsteigersystem sollte meiner Meinung nach „fertig“ daherkommen.

Unterm Strich: DSA1, EW Mehrspielerbuch und DS sind meine bevorzugten Einstiegssysteme für jüngere Neuspieler. Die empfehle ich bei Bedarf weiter. Ab 13 kann man auch mit der Red Box, LabLord oder den meisten anderen deutschen Systemen weitermachen. Bei den älteren könnte auch Dragon Age interessant sein, das ist aber wieder nicht auf deutsch erhältlich. Und sobald sie übersetzt ist, wird die PF Beginner Box ein extrem heißer Kandidat!


12 Kommentare on “Kinder, Rollenspiel und Einstiegssysteme”

  1. Shadow sagt:

    Zu Risus als Einsteigerspiel für 12jährige zitiere ich Falk:

    Wie so oft ist Risus mit seinen 8 Seiten hier ein gutes Beispiel. Risus hat ein separates, optionales (und kostenpflichtiges) Kompendium, das 60 Seiten umfasst und nichts anderes tut, als zu erklären, wie man die anderen 8 Seiten verwendet. Und am Ende ist man immer noch nicht viel schlauer, denn die Möglichkeiten mit Risus sind schier endlos und jeder SL den man trifft, berichtet einem von neuen Varianten; und man ist über jeden Ratschlag dankbar. Das hat auch den Begriff „Risus-Zen“ geprägt.

    http://hochistgut.blogspot.de/2012/02/warum-vorworte-wichtig-sind.html

    • Tarin sagt:

      Deshalb ja als zweites oder drittes System zum über den Tellerrand schauen. Dann weiß man nämlich schon grob, was RPG eigentlich ist und kommt mit dem Ansatz von RISUS besser klar.

  2. Shadow sagt:

    „Einsteiger“ und „zweites oder drittes System“ widerspricht sich aber etwas, findest Du nicht?

  3. Tarin sagt:

    Dann lies doch nochmal, was ich da schreibe: „…Und deshalb schau ich mir jetzt verschiedene Systeme an, die bei solchen Diskussion [solche über Einsteigersysteme] genannt werden.“
    Das zusammen mit dem, was ich zu Risus geschrieben habe, sollte Risus als Einsteigersystem eigentlich abwerten🙂

  4. Stefan sagt:

    Für deutsche Kinder braucht man Spiele in deutscher Sprache, für englische Kinder in ihrer Sprache. Wenn es legitim ist nicht mehr gedruckte Spiele zu nennen und auf den Markt aus zweiter Hand zu verweisen, dann sollte es auch legitim sein englische Spiele zu nennen und auf eine Übersetzung zu hoffen. Die Eignung eines Spiels ist erstmal von der Sprache unabhängig.

    • Tarin sagt:

      Jep. Und sobald eine Übersetzung eines passenden englischsprachigen RPGs existiert, würde ich darauf verweisen. Beispielsweise auf die PF Beginner Box, die halte ich für einen ganz heißen Tipp.
      Aber wenn wie im Tanelorn Thread explizit sogar für jüngeren Kinder gefragt wird, halte ich fremdsprachige RPGs schlicht für thematisch verfehlt.

  5. Athair sagt:

    … für den Moment ist mein Favourit ganz klar Abenteuer 2.0 von Norbert Matausch.
    Steht irgendwo zwischen Freiform, Old School und Klassisches EDO-Spiel.
    (Erzählonkeln, Schummeln, Buchhalten, Ausspielen von Allmachtsphantasien und andere spielerische Fallen tun sich vom System her nicht auf. Handwedeln dagegen muss man als Anfänger ohnehin schnell lernen.)

    Aborea ist ganz cool gemacht, an einigen Stellen aber unnötig umständlich.
    EW Mehrspielerbuch … für mich zu sonderregelbasiert für Einsteiger.
    DSA 1 hab ich des Kampfsystem wegens verworfen.
    LabLord scheint mir für Neulinge zu wenig Erklärung und zu viele Subsysteme zu haben.
    Dungeonslayers – absolut nicht mein Fall. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
    cD&D, Rote Box – Didaktisch Top! Regelseitig dieselben Probleme wie LabLord.
    RISUS – Zum gemeinsamen Geschichten-Erspielen absolut tauglich. Auch oder gerade für Anfänger. Die Schwierigkeiten des tun sich erst nach einer Weile auf. (Und dann kann man auf ein anderes Spiel wechseln.)

  6. darkshonin sagt:

    Wenn 12 Jährige Modern Warfare spielen (und das tuen sie aus eigener Erfahrung leider wirklich), dann kann man ihnen auch John Sinclair – Das Abenteuerspiel zumuten. Dieses ist auch als Einsteigersystem gedacht.Ausserdem kann man mit ein, zwei Groschenromanen oder Hörspielen die Welt in der das ganze Spielt gut vermitteln…
    Wer denkt es seih nichts für 12-Jährige, auch gut, dann ist es eben genau so ungeeignet wie ein englischsprachiges System, ein Einsteiger RPG bleibt es trotzdem🙂

  7. greifenklaue sagt:

    Widerspruch bei DS: ich halte die 4er-Box wesentlich geeigneter als die Vorversion. Ein Einsteiger braucht zumindest etwas Anleitung, wie Rollenspiel eigentlich funktioniert. Das sollte bei DS4 in der Box als auch mit Aborea klaappen. DS 3.5 ist super – für jemanden, der schon Rollenspiel gespielt hat. Daran kranken imho auch viele der Tipps

    @Englisch: seh ich wie du.

    @PF Beginner: Sobald es die auf deutsch gibt, ist die in der Tat nen heißer Favorit.

  8. diebin sagt:

    Ja, John Sinclair oder Justifiers hätte ich jetzt auch genannt. Streng genommen sind sie wohl eher Brettspiele mit Rollenspielelementen aber in meinen Augen durchaus geeignet, um Neulinge ans Rollenspiel ranzuführen. Auch Ratten fand ich sehr einsteigerfreundlich, da es einfache Regeln hat und die Charaktererschaffung zügig geht – man kann also schnell loslegen.

  9. Teylen sagt:

    Ein interessanter Artikel. ^^
    (Und Minitest der Kommentar Funktion)

  10. Sven Lotz sagt:

    Ich weiß jetzt nicht, was gegen das DSA4-Basisbuch spricht. Ich finde es nicht komplexer als DSA2 und es hat aber den Vorteil, dass es besser geschrieben ist.


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