Kickstartern: Langsam find ichs doof

Ja, ich mache auch mit. Ja, bei mehr als einem, sondern bei zwei Kickstarter Projekten. LotFPs Rules & Magic Hardcover und das SR  2D Adventure. Kickstarter sind per se nichts böses, schlimmes oder verdammenswertes. Aber mal ehrlich: Mittlerweile verlieren die Dinger ihren Sinn. Und auf einmal ist der Aufschrei groß, weil das VtM Companion Deluxe doch eben nur ein billiges Heftlein ist, für das mehrere Leute aber hunderte von Dollar zahlten. Herzlichen Glückwunsch, WW.

Goblin: Du Cheffe, wie funktioniert ein Kickstarter?

Tarin: Das ist so. Du bist eine Firma. Du kalkulierst ein Produkt. Dann schaufelst du billigen Schrott wie laminierte ID Karten oder die Zusage, eine Runde zu leiten in möglichst hohe Pledgesummen. Erfahrungsgemäß wird dein Kickstarter absolut überfinanziert und du hast schon vor Beginn des Drucks alle Geldsorgen erledigt.

Goblin: Sollte das nicht für Indielabels und Miniprojekte sein?

Tarin: Jep. Aber irgendwann haben auch Typen wie die Jungs bei White Wolf oder Pinnacle mitgekriegt, dass man wunderbar Fanboys animieren kann, die dir das zigfache des eigentlichen Wertes in den Rachen schmeißen, wenn du ihnen zum Produkt doch nur einen Kugelschreiber mit Firmenlogo dazugibst.

Goblin: Das ist ziemlich dämlich.

Tarin …

Ganz ehrlich, liebe Verlage, insbesondere liebe größeren Verlage: Es ist ein Armutszeugnis sondersgleichen, dass ihr reguläre Produkte für eure Systeme von den Fans erbettelt und sie mit Pseudo Boni für einen Hintern voll Geld abspeist! Für euch zieht die Indie Tour nicht, ihr seid keine Ein-Mann-Betriebe und in vielen Fällen kickstartet ihr auch keine Sonderprojekte oder Liebhaberprodukte, sondern eure ganz normale Ware! Wenn eurer Projekt finanziert ist, hört auf, ständig neuen Müll reinzuupacken, damit ihr mehr Geld für das gleiche Produkt bekommt! Das ist unterstes Niveau!

Und ganz ehrlich, liebe Pledger: Hört mit dem Fanboytum auf. Es ist ok, ein Produkt mitzufinanzieren, ich will auch, dass das LotFP HC mit ein paar Abenteuern kommt und ich freue mich auf das SR Spiel. Aber wenn das, was ihr wolltet, finanziert ist, hört auf und bringt durch diesen sinnlosen Ausstoß nicht noch mehr Publisher dazu, sich vor euch in den Matsch zu werfen, sondern lasst sie ein neues Produkt einstellen, dass ihr – so es überzeugt – wiederum finanzieren könnt. Es ist kein Grund zur Freude, wenn ein Kickstarter mehr als das drei- oder vierfache seines Zielwerts erreicht, sondern ein Ärgernis, das euch schadet!


5 Kommentare on “Kickstartern: Langsam find ichs doof”

  1. Falcon sagt:

    volle Zustimmung.
    man muss noch die Geldverluste durch schlampige Projektplanungen mit einbeziehen, dann bleibt von der „Überfinanzierung“ nicht mehr viel über.

    aber der Kickstarter kann den Zielbetrieb ja beliebig höher stufen😛

  2. Falcon sagt:

    ähm, Zielbeitrag

  3. greifenklaue sagt:

    Das man Schrott beklommt, wenn man ein Vampire-Produkt bestellt, hätte man auch ahnen können. *hust*

    Aber ernsthaft, Du hast schon recht in dem Punkt, dass man als Pledger wissen sollte, was man will! Und nicht den Großen hinterherlaufen sollte …

  4. Cyric sagt:

    Da ist schon was dran. Mittlerweile wirkt das System wie ein Vorfinanzierungs-Service, der günstiger und sicherer (das Risiko liegt beim Pledger) als ein Bankkredit ist. Schon drollig, zu was wir Fans so bereit sind…

  5. Der Rote Baron sagt:

    Mein erster Kickstarter-Pledge wird auch mein letzter sein: Erst heißt es, dass selbst internationale Kunden den Kram kostenlos zugeschickt bekommen, dann erbettelt man (ja, auch von mir – bin doof) zusätzliches Porto, damit es „schneller“ geht und biette dazu noch ein Extra-Abenteuer. Und dann sendet man vor allem müde Ausreden, wieso dies oder das noch nicht fertig sein konnte (obwohl ja bereits alles „veröffentlichbar“ war …) und müllt mich mit E-Mails zu, in denen man auf ach so unbedarfter Ein-Mann-Selbtsverleger macht. Dann zieht man um. Dann brennt der Computerstecker. Dann ist der Sittich in der Mauser und muss zum Psychologen … Blablabla. Was bekommt man außerdem Einblick in selbstverlegerische Unfähigkeit? Ein paar halbfertige PDFs und hinhaltende Termine.
    Angeblich solll der ganze Kram jetzt so langsam mit ca achmonatiger Verspätung verschickt werden. Ich glaub’s, wenn ich den Kram habe.
    Ach so: Das Projekt war auf $ 1000 kalkuliert und mit $ 18.000 finanziert! Ja, so kann man ne schlanke Mark machen. Und zudem viele Leute seine privaten Sorgen erzählen.
    Ne, danke. Brave Halfling Publishing hat mir den Spaß an Kickstarter vergällt


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