Ich mag die absteigende Rüstungsklasse!

Absteigende Rüstungsklasse – das ist eines der „Problemfelder“, wenn man über cD&D und Retroklone spricht. Die einen bringen das Argument G („Because Gary did it!“), über das ich auch nochmal schreiben müsste, die anderen halten absteigende AC für schlicht schlechtes Design und überholt. In der Tat kriegt man schnell heraus, was an absteigender AC stört: Unhandlichkeit, Unzugänglichkeit und Tabellengesuche sind so die Standard Fälle. Schwieriger wird es, wenn man nach positiven Punkten fragt. Ich persönlich mag die absteigende Rüstungsklasse aber! Also wirds Zeit, auch die andere Seite zu beleuchten. Vorher aber: Absteigende AC funktioniert für mich wunderbar im classic D&D Kontext. Ich kann aber auch mit der LotFP Variante leben oder mich mit anderen Spielen mit anderen Varianten anfreunden. Wir sind hier ja nicht so dogmatisch im Goblinbau😉1. Die absteigende Rüstungsklasse ist nicht problematischer als andere Varianten.

Sie ist nicht schwieriger, sondern nur ungewohnter. Eine Grundrechenart im einstelligen Bereich zu nutzen oder einen Blick auf eine Tabelle zu werfen, ist nicht sonderlich kompliziert. Im cleveren Fall schreibt man sich die erforderlichen Werte für RK 9-0 auf seinen Charakterbogen. Würfeln, Blick, „Ich habe RK X getroffen“ sagen. Wer nur RK 0 aufschreibt und den Rest errechnet, hat den ThAC0. Auch das ist nicht schwer. Zugegeben: Der Tabellenblick entfällt bei aufsteigender RK, wo das Würfelergebnis der getroffenen Rüstungsklasse entspricht. Verrechnet man allerdings noch Modifier aus diversen Items und Geländefaktoren, ist es nicht weniger, sondern nur andere Analysearbeit. BEi D&D3ff. ist aufsteigende RK daher logisch. Bei cD&D hat man es aber seltenst mit so vielen Mods zu tun.

2. Aufsteigende Rüstungsklassen sind nach oben offen. Absteigende erstmal nicht.

Die RK kann ich nicht oben pushen, wie es mir beliebt, es gibt keine „logische Grenze“. Bei absteigender RK ist RK0 das Maximum (bzw. Minimum), der bestmögliche Rüstungsschutz. Ja, man könnte auch in den negativen Bereich gehen, aber wie oft und v.a. wie weit passiert das schon? Davon ab ist dieser Bereich ohne Magie kaum zu erreichen. Negative RK bedeutet etwas Besonderes, einen über alles normale hinausgehenden Schutz. Und das kann ich schon einfach so an der RK ablesen. Bei aufsteigender RK könnte Magie die Ursache einer hohen Rüstungsklasse sein. Aber auch äußere Umstände, hohe Attributswerte, Volksmodifikationen, die Monsterart usw. Will sagen: Absteigende Rüstungsklasse grenzt den Spielfokus auf einen an „normalen“, Mid Power SC orientierten Spielstil ein. Das sagt mir persönlich zu, weil mich beispielsweise der Drache nur im Hinblick auf seine Begegnung mit einem SC interessiert und ich seine Werte daher auf diese Begegnung hin nutzen möchte.

3. Absteigende Rüstungsklasse ist ein Oldschool D&D Merkmal

Es fühlt sich am Tisch einfach anders an, wenn die RK runtergeht. Das Spiel tickt anders als andere RPGs, LabLord SC müssen sich anders verhalten als eine 4E Gruppe oder DSA Helden. Ich finde es schön, wenn auch ein paar Regelelemente deutlich spürbar anders sind. Aus ganz ähnlichen Gründen mag ich Race as Class, ausgewürfelte Charaktere und die ziemlich eigenwilligen Saves. Außerdem: Irgendwie passt es für mich einfach zum Spiel. Klassischerweise wird „nach unten“ alles stärker. Wer die unteren Dungeonlevel erreicht, sollte nach Möglichkeit auch eher weit unten bei der RK stehen. Das ist nicht unbedingt ein Pro oder Contra, aber mir erschien es irgendwie.. logisch.


8 Kommentare on “Ich mag die absteigende Rüstungsklasse!”

  1. alexandro sagt:

    Ich mag absteigende RK hauptsächlich deswegen, weil ich keine variablen Schwierigkeiten mag (daher mag ich auch Unterwürfel-Systeme). Das Problem bei vielen Old-School-Spielen (und ihren Retroklonen) ist eher, dass der Thac0 schlecht erklärt ist.

    Dass es auch anders geht zeigt Stars without number:

    Wurf+AB+RK(+Boni)=20+ —> getroffen!

    einfacher geht es wirklich nicht, dafür braucht man nicht mal eine Tabelle.

    • Tarin sagt:

      Jupp, SWN geht da auch einen schönen Weg. Mir geht ein bisschen „Feeling“ verloren, aber das ist eben so wie die 3W20 oder AT/PA bei DSA. Braucht man natürlich nicht, aber irgendwie will mans auch nicht missen. Gehört eben dazu.
      Der ThAC0 ist ja an sich nicht schwer zu verstehen, vor allem, wenn man vorher die Tabellen kennt Dann ist der ThAC0 nur noch eine verkürzte Darstellung derselben. Wenn man das Ding zum ersten Mal sieht und an aufsteigende AC gewöhnt ist, muss man aber tatsächlich ein bisschen um die Ecke denken, bis man ihn nachvollzogen hat. Aus der anderen Richtung ists einfacher.

  2. Tagschatten sagt:

    Ja, man könnte auch in den negativen Bereich gehen, aber wie oft und v.a. wie weit passiert das schon?

    In cD&D spätestens ab Namensstufe standardmäßig? Mein derzeitiger Pala 8. ist bei -4, der Rest der Gruppe ist entsprechend?

    • Tarin sagt:

      Wie kommst du dahin? Ich vermute mal durch magische Gegenstände, einen Plattenpanzer+X usw? Ich halte es da ja mit dem Auswürfeln von Loot. Wenn also jemand mal wirklich was kriegt, was eine Hammer RK verursacht, sei es ihm gegönnt. Aber mit so vielen Items, die alle die RK pushen, hat man es im normalen Abenteurerleben dann doch nicht zu tun. Es sei denn, der SL teilt die aus. Dann gehts natürlich schnell.

  3. Tagschatten sagt:

    Oh-oh. cD&D ist zwar bei weitem nicht so extrem wie 3.X, aber Loot ist Bestandteil der Stufenprogredienz. Mit höheren Stufen besiegst Du andere Gegner und kommst an die besseren Schatzklassen ran. Vollplatte+2, Schild, Schutzring +2, Dex-Bonus et voilà. Schau Dir mal die C-Module oder die höheren X-Module an. Ohne absolute RK von -5 oder besser siehst Du da keinen Stich. Da haben zum Teil die Pregen-Wizards -6 und besser.

  4. Joni sagt:

    Ich mag die Rüstungsklasse allgemein. Ich mochte sie, wie sie in OD&D/AD&D umgesetzt war, aber auch die „logischere“ Variante der 3rd.

  5. Argamae sagt:

    Absteigende Rüstungsklasse ftw! Ich hege eigentlich nur ein nostalgisches „Wohlig-warm-Gefühl“ für die Rüstungsklasse, aber Geschmack ist ja auch ein Grund. Ich fand’s damals einfach auf unerklärliche Weise cool, wenn man mit seinem Charakter das erstemal auf einen negativen RK-Wert kam. Wow, das war schon was! Außerdem empfinde ich eine gewisse Schönheit darin, daß ein Wert mit negativem Vorzeichen etwas absolut positives im Spiel darstellt.🙂


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