Swords! Sorcery! Sword & Sorcery!

Eines der für mich feinsten Fantasygenres ist eben das: Sword&Sorcery aka Heroic Fantasy. Mein leider eingeschlafenes Heroic East Projekt ist da Beweis genug für – ich finde nur leider niemanden, der es mit mir spielen würde. Und wie das so mit RPG Material ist, das „für den Schrank“ produziert wird, einen Abschluss zu finden, ist gar nicht so leicht. Dabei müsste eigentlich nicht mehr viel passieren, um das Ding spielbar zu machen. Eine vernünftige Karte, eine Monsterliste und ein paar Kleinigkeiten und das wars.

Ich möchte aber eigentlich nicht über HE, sondern generell über Sword&Sorcery RPGs. Da sieht es nämlich quantitativ eher mau aus. Aber das was da ist, kann sich dafür sehen lassen.

Bevor ich mich aber in die Systeme stürze, sollte nochmal kurz zusammengefasst werden, was „Sword&Sorcery“ oder „Heroic Fantasy“ denn nun ausmacht. Üblicherweise hat man bei dem Begriff lendenbeschurzte Barbaren in einer ziemlich steinzeitlichen Welt vor Augen, gern in Kombination mit völliger Klischeeüberladenheit, simpelsten Plots und einer gewissen „Unzeitgemäßheit“. Die Sache mit den Barbaren kommt unübersehbar von Conan und seinen diversen Mitbarbaren, die aber insgesamt eher unter als neben dem Cimmerier stehen, was die allgemeine Wahrnehmung angeht. Heroic East kann aber ebenso mittelalterlich-städtisch daherkommen, wie übrigens auch bei Conan deutlich wird, nur nicht in dem Film aus den 80ern, der wohl für die Optik ziemlich prägend ist (und auch sonst immer wieder angeschaut werden sollte). Die Kurzgeschichten Howards erzählen oft genug vom mich ziemlich ans Heilige Römische Reich deutscher Nation erinnernde Aquilonien, von Städten und ihren Bewohnern. Noch deutlicher macht es Fritz Leiber (der den Begriff Heroic Fantasy prägte) im Lankhmar Zyklus um Fafhrd und den Grauen Mausling. Lankhmar, die riesige Stadt voller Geschichten, Dieben, Korruption, Intrigen und Chancen, sein Glück zu machen. Und während einer der beiden Antihelden ein Barbar aus dem Norden ist, findet sich im anderen ein typischer Städter, Magier und Dieb, dem nichts über die Mauern um ihn herum geht und die er schnell genug vermisst, wenn ein Abenteuer aus Lankhmar herauslockte.

Was macht denn nun Heroic Fantasy aus?

Heroic Fantasy hat den Protagonisten und sein Schicksal im Blick, nicht das Schicksal der Nationen, Kontinente, Welten. Sie erzählt von den schier übermenschlichen Gefahren, Widerständen und Feinden, denen sich ein Held stellt, um sein Ziel zu erreichen. Der Fokus ist aber kleiner und persönlicher – und oft genug sind die Ziele des Protagonisten alles andere als heldenhaft. Gold, Ruhm und Frauen sind beileibe öfters der Grund eines Abenteuers als die hehre Rettung des Reiches. Und da Sword&Sorcery sich lange vor dem EDO-Klischee bildete, muss man auch keine Tolkien-Zwerge/Elfen/Halblinge erwarten. „Muss“, weil die Tendenz zwar zu größtenteils menschlichen Helden geht, verschiedene Fantasyvölker der Grundidee jedoch in meinen Augen keinen Abbruch tun. Das geht alles auch mit Halblingen, wenn man will😉

Klingt bombig, womit kann ich das spielen?

Tja, da kommen wir zu des Pudels schartigem Breitschwert – so richtig viel gibt es an Sword&Sorcery RPGs nicht, zumindest, wenn man bei aktuellen Spielen bleiben will.

Da wäre das viel zu unbekannte Barbarians of Lemuria, inspiriert von den Thongor Romanen und eine exzellente Umsetzung des Genres. Eigentlich müsste ich hier nicht mehr weiterschreiben. Wer S&S will, kann blind zu BoL greifen und losabenteurern. Selten habe ich ein Regelwerk gelesen, das so den passenden „Spirit atmet“ ( zu dem anderen Kandidaten komme ich gleich noch). BoL hat es auch dank eines Fan Teams zu einer deutschen Übersetzung bei Ulisses gebracht, hat dort aber wohl nicht die erhofften Verkaufszahlen

eingebracht, denn leider fristet das Spiel quasi seit Beginn ein stiefmütterlich behandeltes Nischendasein. Umso erfreulicher ist es, dass zuminest die englische Version erfolgreich ist und diverse Ableger hervorgebracht hat, unter anderem die gemessen am Standardsetting Lemuria etwas allgemeinverträglichere und zugänglichere Regelvariante zu Legends of Steel.

Warum ihr BoL spielen sollt, wenn ihr S&S spielen wollt:

  1. Tolle Umsetzung des Genres mit mächtigen Helden und harten Bandagen
  2. Statt Feuerbällen die Queste zum Donnerberg, wo die seltensten Zutaten geopfert werden müssen, deren Beschaffung ebenfalls schon Abenteuer für sich sind.
  3.  Das Karrierensystem bildet die vielen „Tätigkeitsfelder“ der Helden ab. Conan war Pirat, Barbar, Räuber, Dieb, Entdecker, Söldner, König und so einiges mehr.

Warum ihr BoL vielleicht eher nicht spielen wolltet:

  1. Das System ist eher rules-light. Wer viele kleine Details im Charakterbogen sucht, ist hier falsch.
  2. Ihr steht auf Hintergrundmaterial und „Lesebücher“. Das hier ist ein Spielutensil, obwohl es durchaus in deutsch und englisch toll anzusehen ist.
  3. Ausrüstung? Wer braucht Ausrüstung? Im Ernst, Numbercrunching ist nicht.

Wer weniger auf lemurische Barbaren und mehr auf FATE steht, der kann natürlich nicht an MALMSTURM vorbeiziehen. Ich muss allerdings zugeben, nicht allzu viel über das Spiel zu wissen. „Das Metal Rollenspiel“ ist artworktechnisch zumindest deutlich ins Genre einzuordnen, dürfte sich aber deutlich anders spielen als BoL. Nur: Ich bin nicht so der FATE Fan. Und so toll ich Malmsturm optisch finde, ich kann mich einfach nicht zum Kauf der beiden Bücher durchringen. Ich weiß einfach, dass ich es nicht spielen würde. Der Preis ist für die Brecher sicherlich nicht übertrieben, aber da setzt dann einfach bei Betrachtung der Kosten/Nutzen Rechnung mein Geiz ein.

Warum ihr Malmsturm spielen solltet, wenn ihr Sword&Sorcery spielen wollt:

  1. Weil Malmsturm aktive Unterstützung erfährt, wie auch FATE generell
  2. Weil diverse Spieler mit FATE wohl ihr perfektes, erzähllastiges Spiel gefunden haben. Wenn ihr dazugehört: Go for it!
  3. Weil die Bücher total toll aussehen.

Warum ihr Malmsturm vielleicht eher nicht spielen solltet:

  1. Naja, so ganz billig ist es nicht. Die Regeln gibt es auf der Homepage zum Download, das Setting kostet euch etwa 50 Euro.
  2. FATE hat so seine Tücken. Das Dunkelheitsbeispiel ist ja schon fast klassisch.

Ein weiterer Vertreter des Genres zeigt sich seit einiger Zeit mit Dungeon Crawl Classics RPG. Zugegebenermaßen tituliert sich das System selbst nicht als Sword&Sorcery, sondern nutzt den Neologismus „Appendix N Fantasy“, womit es sich auf die Inspirationsliste zu AD&D bezieht, wie sie im DMG, Appendix N zu finden ist. Wer sich das System genauer ansehen mag: Ich habe bei Erscheinen eine größere Beschreibung in drei Teilen veröffentlicht. Hier ist Teil Eins. DCC ist mein persönlicher Platz 2 für Heroic Fantasy, auch wenn es in vielen Punkten quasi das Gegenteil von dem ist, was BoL oder auch Malmsturm sind. DCC ist ein Kind der Oldschool Renaissance, bzw. bedient sich deutlich bei classic D&D, darüber hinaus bei D20. Joe Goodman


5 Kommentare on “Swords! Sorcery! Sword & Sorcery!”

  1. johnnycompor sagt:

    Also wenn ich das auf meine vereinfachte Weise richtig sehe ist Swords&Sorcery das was man draus macht: Mächtige Helden und Harte Bandagen – dass hängt mehr vom Spielleiter ab als vom Setting. Und von den Spielern. Powergaming-Charaktäre kann man in fast jedem Setting bauen und harte Bandagen… Naja, Spielleitersache, ne?😉
    Genauso verhält es sich mit Motivation der „Helden“ und Plot der Abenteuer. Alles Gruppen/Spielleiter-abhängig.
    Es mag Settings geben, die dafür optimiert sind genau das zu spielen (obengenannte) und welche mit denen das weniger geht (Iron Kingdoms – wegen dem Setting?) aber an und für sich … brauch man dafür kein bestimmtes Setting/Rpg. Könnte der Grund sein, warum es sich so schlecht verkauft….😉

  2. Tarin sagt:

    Es hat den Beitrag zerschossen, ein gutes Stück fehlt. Der Part über DCC müsste länger sein und die weiteren Systeme fehlen komplett. Das hier wird also überarbeitet!

    @Johnny: Ich würde schon sagen, dass S&S eher eine Stilfrage ist. Die Tendenz geht allerdings schon eher zur Low Fantasy. Faustregel: Wenn der Plot sich darum dreht, den Ring des dunklen Herrschers ins Feuer zu werfen, um die ewige Finsternis und das Zeitalter der Schrecken zu verhindern, ist es keine Sword&Sorcery. Wenn ein Hobbit auszieht, um sich den dunklen Mächten zu stellen, weil es eben einer tun muss, könnte es S&S sein. Und wenn zwei Halunken der Schatzkarte folgen, dabei v.a. Gold und Reichtum im Sinn haben und auch eher rabiaten Methoden nicht abgeneigt sind, ist die Chance schon verdammt hoch, S&S vor sich zu haben😉

  3. johnnycompor sagt:

    Das stimmt – low Fantasy passt eher. Ansonsten stimme ich mit dir überein. Ist ne Stilfrage – eben was man draus macht.

  4. Tom sagt:

    Wegen dem obigen Artikel, gibt es den irgendwo komplett? Und ja ich bin durchaus der Meinung das es für Sword & Sorcery eigene Regelwerke geben sollte.


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