Make it „The“ Dragon – Namen, Persönlichkeiten, ungewöhnliche Gegner

Vorab: Dies ist ein Beitrag zum Januarskarneval (ORGA diesmal von Gloria auf Nerd-Gedanken), in dem ich auf Eigenheiten diverser Feindbilder eingehen werde. Es folgen hoffentlich weitere, in denen ich die praktische Umsetzung… praktiziere.

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Das Beholder Paradoxon

Schon bevor Joe Goodman das Dungeon Crawl Classics RPG auf den Markt brachte, hatte die Reihe bei Goodman Games Tradition. Unter dem DCC Label erschienen teils extrem coole Abenteuer für D&D 3.5 und die 4E, die sich von denen anderer Herausgeber dahingehend abheben sollten, als dass sie ein Spiel „wie in den guten alten Zeiten“ ermöglichen sollten. Zum einen bedeutete das, dass die DCC Reihe (bei ihrem Namen wenig überraschend) aus Dungeons besteht, die man in gemütlichem rollenspielerischem Zusammensein eben durchkriechen konnte. Zum anderen hat sich JG damit aber einem gewissen Reiz alter RPGs verschrieben, der heute oft betrauert und selten neu erreicht wird: Das Gefühl des „Ach du Sch*****, was ist DAS, wieso sitzt es ausgerechnet auf dem Schatz und wieso ballert es LASER aus den AUGENTENTAKELN???“, kurz: Dem Reiz unbekannter Monster. Die DCC Reihe sollte abseits herkömmlichen Schwertfutters kreative und ungewöhnliche Gegner vor die Waffen der SC setzen und somit die Ungewissheit der Spieler schüren, was da wohl hinter der nächsten Gangbiegung lauern könnte.

Ungewöhnliche Gegner – das heißt zwingend, dass es gewöhnliche Gegner gibt. Eben den allseits bekannten, eigentlich aber absolut ungewöhnlich-monströsen Beholder. Oder Skelette und Orkhorden. Sturmtruppen, Sabbathrudel und was man sonst noch so in den Jahren des Spielens zu sehen bekam. Ein ungewöhnlicher Gegner kann also nicht einfach nur ein Ork oder ein Skelett oder ein Beholder, Lich, Drache sein. Er braucht das Quantum „Mehr“.

 

Make it THE Dragon (Part 1 des Rezeptes für ungewöhnliche Gegner)

Die von Goodman im DCC RPG angebrachte und von mir unterstützte These lautet, dass es für die Spieler langweilig ist, „einen“ Drachen zu töten, im Gegensatz dazu aber viel spannender, wenn sie es mit „dem“ Drachen zu tun bekommen. Bedrohungen und wichtige Gegner sollten nie einfach nur die Ausführung der Seite 67 im Monsterhandbuch sein. Sie brauchen eine Geschichte und müssen diese auch irgendwie preisgeben können. Sie müssen richtig fies oder tragisch gefallen sein – aber in jedem Fall mehr als nur ein Exemplar ihrer Spezies. Ein Meister dieses Kniffs war der gute JRR Tolkien. Nicht nur der aktuell im Kino toll anzusehende Smaug (<— DER Drache, der den Einsamen Berg eroberte, das Zwergengold stahl, ein Volk quasi auslöschte und das alles gezielt aus Goldgier tat. Nicht EIN Drache, der zufällig am Einsamen Berg vorbeiflog und sich niederließ wie so viele vor ihm), sondern auch weitere Beispiele lassen sich finden, hier sei nur DER Balrog genannt, dem schon so viel Geschichte in der Bezeichnung „Durins Fluch“ nachhallt.

Und sein Name war…. !

Namen sind wichtig, weil man über sie jemanden oder etwas identifiziert. Man verbindet Eigenschaften mit dem Namen oder leitet sie aus diesem ab, wenn nichts anderes vorhanden ist. Ungewöhnliche Gegner brauchen also Namen, die über Skelett [X] hinausgehen. Siehe den erwähnten Smaug, siehe Durins Fluch und siehe Borbarad oder den einen Schurken aus eurer Kampagne von vor zehn Jahren, von dem ihr noch immer erzählt. Das heißt übrigens nicht, dass diesen NSC Immunität gewährt sein sollte. Sie sollten in meinen Augen genau so angreifbar sein, wie jede andere Figur der Kampagne. Aber wenn sie das Potential haben sollen, ungewöhnlich zu sein, brauchen sie einen Namen oder eine geflüsterte Bezeichnung.

Damit hab ich nicht gerechnet!  (Part 2 des Rezeptes für ungewöhnliche Gegner)

Vorab: Ich halte das hier für den unwichtigeren Teil, aber eben trotzdem für dazugehörig. Im Rollenspiel haben Monster und Gegner zumeist Werte. Werte, die die meisten Spieler nach Jahren entweder kennen oder grob einzuschätzen gelernt haben. Wichtig dabei ist eigentlich nur, folgende Banalität nicht zu vergessen: Die Seiten eines Monsterhandbuches sind nicht die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Man kann sie abändern, anpassen, verbessern, verschlechtern und damit nach Herzenslust rumpfuschen. Wir reden hier ja nicht von x-beliebigen Standardbedrohungen, sondern von den echten, ungewöhnlichen Gefahren, die zu überwinden man HELDEN braucht. Magische Oger, intelligente Skelette, Smaug der Schreckliche, Olaf Bärentöter – die Geißel der Nordküsten mit dem Auge aus Feuer. Macht, was ihr wollt, es sind die bemerkenswerten Antagonisten, die hier gebaut werden und die kümmern sich nicht um die Vorstellungen diverser Rollenspieldesigner und -autoren.

Und ihre Zahl war…naja, nicht so groß

Es nutzt sich natürlich ab, das kann nicht verschwiegen werden. Der Beholder entstand so, ebenso diverse andere Klassiker. Und man kippt schnell in den Bereich der Mary Sues, wenn man als SL seine liebgewonnenen Feinde immer retten möchte. Letztlich muss man sich dabei vor Augen halten, welche Funktion diese Figuren erfüllen: Sie sind letztlich nur der unbequeme Baum, an dem sich die SC reiben sollen, denn letztlich geht es um das, was die Figuren der Spieler tun. Feinde und ungewöhnliche Monster sollen sie reizen, eben Anreize geben, mit der Welt zu interagieren. Und solche Reize sind auch austauschbar.

Ich werde wie gesagt versuchen, einige dieser Monster im Lauf des Monats vorzustellen. Aber um nicht alles in die Zukunft zu setzen, sei hier DER Anführer der geflügelten Affen verlinkt, den ich schon vor längerer Zeit erstellt habe. K’gey und seine Horde.


3 Kommentare on “Make it „The“ Dragon – Namen, Persönlichkeiten, ungewöhnliche Gegner”

  1. […] Monat, und während im RSP-Blogs-Forum dazu eifrig weiter diskutiert wird und Tarin sich in seinem Goblinbau zu Möglichkeiten, ungewöhnlich-denkwürdige Gegner zu erstellen, auslässt, stelle ich mir schon […]

  2. greifenklaue sagt:

    Ja, ans DCC-Konzept haben wir auch gedacht und es in Episode 23 verarbeitet!

  3. […] RSP-Blogs-Karneval Januar – Ungewöhnliche Gegner – Gegnerphilosophie LotfP / DCC (auch Tarin erläutert es) – Stefan Poag’s Exquisite Corpses (auch via LotfP) […]


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