Oldschool war damals, als es noch nicht oldschool war, noch so richtig oldschool!

Ein weiterer Gastbeitrag von JensN!

 

Gedanken zum Rollenspiel damals und heute.

Was ist oldschool? Oldschool war damals! Oldschool ist Geschichte! Ist das so? War echtes Oldschool nur in den 70ern und 80ern? Bildet die heutige Szene lediglich mit modernen Mitteln nach was früher einmal war und wie war es überhaupt?

Um dies herauszufinden habe ich vor einigen Monaten eine qualitative Umfrage im Metstübchen gestartet und nach Erinnerungen an persönliche Anfänge im Rollenspiel gefragt. Dem liegt die Idee zu Grunde, dass es zwar einerseits um alte Systeme geht, die noch überschaubar einfach waren, aber genauso um das Spielgefühl, das man damals als Spieler und Spielleiter hatte.

 

Zitate:

 (Ich nehme mir mal die Freiheit zu zitieren und zu kürzen, was ich dann kenntlich mache.)

 

Dom:

„Das alles ist schwer zu sagen. Damals war ich 12 oder 13, ich hatte die DSA1-Basisregeln bei einem Kumpel kennengelernt und mir die wichtigsten Regeln notiert. Und wenn man dann da durch einen quadratischen Wald gelaufen ist der durch Wände begrenzt wurde, war das auch egal. […]“

Der Mönch:

„Mir geht es ähnlich wie Dom, es ist schon so lange her. Altersbedingt (wir waren jung und hatten kein Geld) war das Spielleitern auch von Machtfantasien geprägt, die gegenüber den Mitspielern ohne Scham ausgelebt wurden (Dein Charakter ist tot — Warum? — Weil ICH es sage, hahahaha). […]“

 

><:

„Eine DIN A4-Seite Karopapier. Beliebige Räume ohne Rücksicht auf innere Logik zeichnen. Monster freihändig verteilen.
Losspielen.
Heldentode waren selten, die Machtspirale führte zu immer stärkeren Helden, besserer Ausrüstung, fieseren Monstern…
Hat trotzdem Spaß gemacht… Heute wollte ich so auf Dauer nicht spielen

[…]
das waren noch Zeiten“

 

Purzel:

„ […] Was meine ersten Gruppen wenig kümmerte war: Taktik (immer nur feste druff), Spielbalance (gedankenlos Hausregeln und Powergaming, YOLOYOLO!) oder Stimmung und Aventurische Geschichte präzise nachspielen (lieber wichtige SL-Figuren umhauen und Plots sprengen).
Unsere Abenteuer-Herausforderungen waren schwierig, aber wir haben keine Random-Instant-Death Elemente verwendet, das schien uns nicht fair. Entsprechend krass und unangenehm waren daher unsere ersten Kontakte mit AD&D und Spielleitern, die einem einfach ohne Vorwarnung den Charakter wegknallten. […]“

 

Deutung:

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, Zitate von Spielern die vor allem mit DSA den Anfang machten. Und obwohl es möglicherweise nicht repräsentativ ist, kann man schon einiges erkennen.

Zum einen waren die Spielrunden damals unterschiedlich:

Es gab diese tödlichen Herausforderungen, wie ich sie in meinem ersten Artikel beschrieben habe, aber auf alle Gruppen traf dies nicht zu.

Weitere Unterschiede liegen auf der Hand, wenn ich sie auch nicht im Detail diskutiere.

Andererseits gab es Gemeinsamkeiten:

Wörter wie „Machtfantasien“, „Machtspirale“ und „Powergaming“ werden oft genannt.

Außerdem schien man sich um Logik und Konsistenz von Abenteuern noch weniger Gedanken gemacht zu haben. Das böse Wort „Railroading“ wird unbekannt gewesen sein. Auch wenn dieser Leitstil an sich, wie anzunehmen ist, vorkam, eben ohne benannt zu werden. Was nicht heißt, dass jeder SL Schienen gelegt hat. Heute ist sicher auch in der Oldschool-Ecke eine Sandbox, ein Living-Dungeon oder ARS beliebter als Übernahme von Spielerentscheidungen durch den SL.

Worauf will ich hinaus?

Oldschool, wie wir es heute kennen ist eine Konstruktion.

Diese wunderbaren PDF-Abenteuer aus den Abenteuerwettbewerben versuchen den Geist vergessener Zeiten aufzugreifen und schaffen dies vor allem dann, wenn sie nicht zu stromlinienförmig und ausgefeilt sind.

Unsere Idee von Oldschool hat mit „Tod und Spannung“ zu tun, wie ich zuletzt schrieb. Und sie hat ganz sicher mit den alten Zeiten die simplen Systeme gemein, die man on the fly mit mehr oder weniger sinnvollen Hausregeln anpassen kann.

Der gute Geist vergangener Zeiten

Was mMn einen weiteren Kern von Oldschool ausmacht, ist die Freiheit sich um keine Konventionen und Errungenschaften scheren zu müssen. Nach Lust und Laune ab ins Dungeon,  raus aus dem Büro und Monster kloppen.

Wir können nicht rekonstruieren wie es damals wirklich war und der Schleier der Erinnerungen mag trügerisch sein, doch bin ich mir sicher, dass zu Oldschool das Gefühl gehört einfach drauflos zu zocken, Fünfe mal grade sein zu lassen und eine Menge Spass zu haben, einfach so wie man Bock hat – mit viel Kreativität oder ohne!


5 Kommentare on “Oldschool war damals, als es noch nicht oldschool war, noch so richtig oldschool!”

  1. Ha! Interessant.
    Dazu viel mir gleich dieser Artikel von Elfmaids & Octopi ein:
    http://elfmaidsandoctopi.blogspot.de/2014/02/50-year-bloghop-moratorium-why-i-like.html
    … der eben sagt, das die kreativen Freiheiten, „erwachsene“* Themen und sowohl das gnadenlose „du-bist-kein-Held-sondern-ein-Murder-Hobo!“ (Meine Worte, nicht seine) als auch das „Weird“-Element (Ich weiß nicht wie ich das übersetzen soll -Gonzo? Schräg?) für den Erfolg der OSR-Bewegung ein Faktor sind, die TSR-Ära Abenteuer etc. aufgrund der Umstände gar nicht haben konnten und deswegen vor übertriebener Ikonenanbetung und unreflektierter Nostalgie „warnt“ … Jedenfalls lesenswert inklusive Links.😉

  2. Guter Artikel, das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Wenn ich heute ein Oldschool-Feeling erwecken möchte, dann greife ich allerdings nicht mehr zum klassischen RPG-System, das funktioniert kaum noch, einfach weil auch die Spieler inzwischen weiter sind und mehr erwarten als Random-Encounters und Megadungeons. Das ist manchmal schade, aber nun gut, das ist der Lauf der Dinge. Was aber immer noch funktioniert, und was auch immer noch gerne angenommen wird ist Heroquest. Das steckt halt immer noch alle Wannabe-Retro-Systeme a la Dungeonslayers in die Tasche. Da entsteht dann auch noch gelegentlich sowas wie Retro-Feeling, gespeist durch nostalgische Gefühle und den Mangel an rollenspielerischen Elementen.

  3. Logan sagt:

    Guter Artikel. Hat mir sehr gut gefallen. Besonders der letzte Absatz hat ein angenehmes Kribbeln bei mir hinterlassen.

    • Logan sagt:

      Nachtrag:
      Allerdings liege ich persönlich in einem extremen Zwiespalt. Auf der einen Seite bin ich mit Old-School-RPGs groß geworden und liebe einfach das Feeling dabei. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Weltenbastler und als Weltenbastler fällt mir diese Lockerheit und Sorgenfreiheit der OSR etwas schwer.
      Vielleicht zergrübel ich auch einfach alles zu sehr. Kann sein. Ist wahrscheinlich so.

      Trotzdem mag ich und giere ich nach OSR-Produkten, -ideen und -konzepten und je abgedrehter sie sind, desto besser ist es!🙂


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s