JensN und OSR – eine späte Liebe

It’s a long way to the Top, if you wanna OSR!

Zu LabLord kam ich über Umwege. Viele Jahre vorher spielte ich vor allem weit verbreitete Systeme. Von 1994 bis 2005 hatte ich sogar nicht einmal öfter Fantasyrollenspiele gespielt, sondern vor allem Shadowrun, Magus und ein wenig Cthulhu. Erst 2005 kam dann D&D 3.X dazu, damit bin ich jedoch nie wirklich glücklich geworden. Dass ich einmal ein Freund von OSR werden würde und sogar darüber blogge, hätte ich mir nie träumen lassen.

Es fing 2009 auf dem Metstübchencon an. Schon als wir die Charaktere erschafften kam ich nicht umhin die Stirn in Falten zu ziehen. Jeder Wert wurde wirklich mit genau einem Wurf von 3W6 ermittelt und man suchte sich danach eine Klasse aus die passte, das erschien mir mittelalterlich. Immerhin hatte ich Glück und konnte einen Dieb spielen, wie ich es auch wollte. Auch bei den Lebenspunkten hatte ich einigermaßen Glück, nicht wie unser Krieger, der mit nur 3 LP klar kommen musste.

Anscheinend war das aber recht egal, denn durch schieres Würfelpech starb unser Zwerg mit 7 LP schon vor den Toren der Festung des Bergkönigs und der Krieger rettete sich von da an mit einem Lebenspunkt, ja er war schwer getroffen worden, bis zum Total Party Kill am Ende des Abenteuers. Wir waren im Dungeon aus versehen einmal falsch abgebogen, hatten einen Alarm ausgelöst und nun alle Monster auf einmal vor uns, die uns den Fluchtweg versperrten. Für mich der Storytelling gewohnt war ging das gar nicht.

Damit war LabLord für mich erstmal gestorben.

Zwei Jahre später machten wir uns, wieder auf dem Metstübchencon, daran einen entweihten Tempel zu reinigen. Dieses mal bekamen alle Charaktere volle LP, eine alternative Attributsermittlungsmethode wurde genutzt und jeder Spieler bekam eine Whimsy Card die er interpretieren konnte, um Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Durch diese Karten schafften wir dann auch das Abenteuer. Am wichtigsten waren wohl die plötzlichen Verbündeten, in Form von vormals gegnerischen Skeletten, die nun auf unserer Seite mitkämpften.

Bei meinen Freunden daheim druckte ich mir nun einige Seiten des gratis PDF-Regelwerks aus und leitete selber LL. Es starb zwar einer der Charaktere, aber der Spieler fand das überhaupt nicht schlimm, sondern eher gut und übernahm eine n Hireling. Ja, im Gegensatz zu Dr. Doom hatte ich als SL an Kanonenfutter gedacht. Trotzdem bin ich froh ohne Mietlinge bei LL gestartet zu sein, denn das Spielen mit den Whimsy Cards hat auch viel Spaß gemacht.

LL geriet jedoch wieder in Vergessenheit. Anderthalb Jahre später entdeckte ich durch Zufall das LL-Grundregelwerk für nur 4€ inklusive Versandkosten beim Amazon Marketplace. Das musste ich dann schon mitnehmen. Es lag dann eine Weile bei mir Zuhause herum und ich hätte es sogar fast verschenkt.

Dann leitete mein Kumpel Haro, der Spieler dessen Dieb gestorben war als wir unter meiner Leitung LL testeten, selbst LL. Wir benutzten Doms Charaktererschaffung vom Metstübchencon 2011, jeder bekam eine Whimsy Card, wir nahmen aber wieder keine Hirelings mit, was diesmal an den Spielern lag, die in Eile einen kleinen Jungen retten wollten, anstatt Leute anzuheuern. Wieder starben fast alle, in dem coolen selbst ausgedachten Dungeon Haros. Mein Zwerg Grolm der Weise konnte sich allerdings rechtzeitig zurück ziehen und heimste allein alle Erfahrungspunkte ein. Das war der Augenblick in dem ich mich dann in LL verliebte.

Die nächsten beiden Abende nahmen wir Verstärkung mit, in die Höhlen der Fäulnis. Dieses Abenteuer hat völlig zu Recht den OSD-Abenteuerwettbewerb gewonnen. Wir schafften es knapp und so ein Erfolgserlebnis gab es im RPG lange nicht mehr, da sonst immer irgendwie klar war, dass man es schafft. (Meine alte 3.5er Gruppe, die mich so viele Nerven gekostet hatte [Ruhe in Frieden und stehe nie wieder auf], hatte sogar die LP in den negativen Bereich gespiegelt. Bevor ein SC starb konnte er viel einstecken und war nur bewusstlos und der DM achtete immer darauf, dass die Kämpfe leicht schaffbar waren.)

Nun leitete ich selbst auf dem Sparrencon die Höhlen der Fäulnis. Die Spieler wollten von sich aus nur die original Charaktererschaffungsregeln nutzen, nahmen aber die vollen LP des ersten Lvls mit, die ich anbot. Diesmal gab es keine Whimsy Cards, aber Mietlinge. Die Spieler waren richtig gut, es starb nur die Elfe, bzw. wurde später zum Zombie und dann zu einem Priester gebracht und gerettet, nur weil ihre hübsche Spielerin mich mit großen traurigen Augen ansah, ich geb es ja zu.

Wieder ein halbes Jahr später kamen fast alle Abenteurer in meinem Abenteuer „Das Buch des Grolls“ um. Der Kampf war super spannend. Ein Charakter hatte den Gürtel der Riesenstärke gefunden, nur hatte ich ihm nicht die Regeln, dass er nun doppelten Schaden macht mitgeteilt, obwohl ich zugelassen hatte ihn zu nutzen, ohne ihn identifizieren zu müssen. Dieser Zwerg hatte noch volle LP, bliebt aber, warum auch immer, in der zweiten Reihe stehen und schoss mit der Armbrust. Gerettet wurde die Gruppe dann von einem beherzten Halbling, der als einziger nicht floh, den Rückzug deckte und dabei alle Verfolger ins ewige Jenseits schickte. Und das obwohl in sicher jeder Treffer ausgeschaltet hätte.

Ein Jahr ist nun vergangen und ich sitze was OSR angeht auf dem Trockenen, habe aber seit dem immerhin alle erschienenen LL-Produkte im Regal stehen, was mit dem gratis Abenteur auf dem GRT anfing und ich blogge.

Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass man immer, und zwar IMMER, Hirelings dabei haben sollte, wenn man LL spielt. Deshalb habe ich auch diese wunderbare Karikatur von Felix Turinsky ausgedruckt, auf der ein Lastwagen voll Hirelings in den Lair of Doom geschüttet wird und zeige sie als erstes neuen Spielern, bevor wir anfangen zu spielen.


8 Kommentare on “JensN und OSR – eine späte Liebe”

  1. Tarin sagt:

    Du hättest doch jetzt auch besagten Comic verlinken können, wenn du ihn eh schon beschreibst😉 Freut auch den Felix und so!
    http://johnnycompor.deviantart.com/art/LL-How-to-do-it-right-02-352195558

  2. JensN, ich freue mich schon so sehr auf das nächste Metstübchentreffen in zwei Monaten! Falls wir wieder LL spielen, wird natürlich auch wieder KNIEHOLD mit von der Partie sein, dann kann uns nichts passieren! („Wir sind gekommen, den Tempel zu entvölkern!“)

    Und dass ausgerechnet Du, der der Fantasy schon den Rücken zugewandt hattest, nun zum LL-Jünger wirst, tsts …🙂

    -rillenmanni

  3. greifenklaue sagt:

    Sehr schön, wie Du den Moment beschreibst, der Dein Herz für OSR entflammt hat!

  4. Argamae sagt:

    Hm. Deine Liebe entflammte also in dem Moment, als Dein Charakter allein die EP einheimste? Oder wie darf ich das verstehen?

  5. jensn80 sagt:

    Ja, genau, das war der Moment!

    Sorry wegen des vergessennen Links, da bin ich leider immer noch nachlässig.

  6. greifenklaue sagt:

    Insgesamt scheint das ja eher ein längerer Prozeß zu sein. Wenn ich meine Vorliebe für OSR/ARS/ herausforderungsorientiertes Spiel auf einem Moment reduzieren müsste, wäre es mein erster TPK (bei Argamae) [übrigens der einzige abseits von Oneshoots]. Das war ein echter Augenöffner, denn wie Du (JensN) so schön schriebst, man war anderes gewohnt. Das hat aber total viel Spaß gemacht (auch wenn wir gewonnen hätten, es hing an so vielen Kleinigkeiten, jeder einzelne SC hätte den Kampf nach meinem Empfinden drehen können)!

  7. johnnycompor sagt:

    @Dennis/Jens: Yay – Ich freu mich! ;D

  8. Dass JensN sich in dem Augenblick in LL verliebte, als er allein die EP einheimsen konnte, kann ich sehr gut nachvollziehen. Er hatte sich vorab ja nicht wie ein Asi verhalten, sondern ist schlicht und ergreifend mit seinem SC einer tödlichen Situation entronnen – und er wusste, dass hier garantiert keine Würfel gedreht wurden. Genau so etwas ist mE der Kick, auch und gerade für geläuterte Stimmungsspieler wie ihn und mich. Den ersten ersten echten TPK mitzuerleben ist beinahe so geil, wie (und sei es als einziger) durch Glück und Gewitztheit aus einer gefährlichen Situation zu entkommen. Genau dies sind zumindest meine Schlüsselerlebnisse. Spontan fallen mir ein:

    1. CoC / Bruderschaft des Tieres: Das wirklich haarstrübende Glück bei unserer Flucht aus dem Gefängnis der transylvanische Burg, das nur durch verzweifelte Entschlossenheit überhaupt erst geschehen konnte, Wir hatten uns durchaus selbst in diese Situation bugsiert, der SL hatte uns schon aufgegeben und bewusst alles offen gewürfelt. Und wie wir gewürfelt haben!🙂

    2. Unsere DSA1-Runde „Der Orkenhort“ auf dem Metstübchentreffen vor einigen Jahren. Dieser Dungeon ist keineswegs unfair, sondern verlangt lediglich, dass man sein Köpfchen benutzt (um unnötigen Kämpfen auszuweichen) und seine Chancen gut abwägt (um nicht auf allzu gute Würfelergebnisse angewiesen zu sein). Mein Elf durfte am Schluss alles allein abstauben!🙂 Die zwei anderen Überlebenden hatten am Schluss zu große Gier entwickelt und sind daran zugrunde gegangen.

    Das waren beides unglaubliche Kicks. Ehrlich erspielte Erfolge (und Misserfolge) sind einfach unglaublich tolle Gefühle. Wenn ich weiß, dass ich mit dem SC nur im Finale stehe, weil die Dramaturgie und der liebevolle SL das so wollen, komme ich mir mittlerweile ab und an sogar veralbert vor, zumindest aber bleibt ein ganz schales Gefühl zurück.

    -rillenmanni


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