Aus den Tiefen des Goblinbaus: Die LotFP Runde

Nächsten Monat spielt unsere OSR Online Runde seit genau zwei Jahren ziemlich regelmäßig, was ich unglaublich AWESOME finde! In meinen Augen ist es daher an der Zeit, mal ein wenig aus dem Nähkästchen bzw. eben „aus den Tiefen des Goblinbaus“ zu plaudern und zu erzählen, was an dieser Runde so toll für mich ist.

Online RPG als technische Grundlage

Machen wir uns besser nix vor: OSR Zeug war und ist eine Randerscheinung in Deutschland. Dafür Spieler zu finden, ist gar nicht so einfach. Mit dem Launch von Roll20 und Google+ Hangouts gibt es aber mittlerweile attraktive Möglichkeiten, online zusammen zu spielen. Davon ab ist auch aktuell meine Zeit fürs Rollenspiel leider begrenzt – und die Zeit, die ich habe, stecke ich lieber ins eigentliche Spiel als in Fahrtzeiten. Wir spielen also mit Roll20 und Skype. Über Roll20 lässt sich v.a. sagen, dass es für uns wunderbar funktioniert. Es ist in manchen Punkten umständlich, aber im Laufe einer längeren Kampagne fallen diese Punkte nicht ins Gewicht. Um kurz einen One-Shot zu spielen, ist es ein bisschen zu viel. Wir haben in unserer Kampagne alle Charaktere, NSC, Karten etc. drin, ein Gruppenforum sowie ein (auswärtiges) Wiki runden die Sache ab. Es ist schlicht bequem, so zu spielen.

Die SC im knallharten Duell mit einem amphibischen Dämonen

Die SC im knallharten Duell mit einem amphibischen Dämonen

Sandboxing

Onlinerunden haben das Problem, öfters mal wechselnde Spieler zu haben. Auch bei uns hat sich ein harter Kern herauskristallisiert, der immer mal wieder von weiteren Spielern ergänzt wird. Das ist von Beginn an so angelegt gewesen. Allerdings hieß das auch: Ein Fokus auf Charakterplot ist doof. Stattdessen haben wir mit einer schlichten Karte voller Möglichkeiten begonnen, auf die alte BECMI Module, Zeug für LL, LotFP, DS und noch so einige weitere Quellen verteilt wurden. Dann noch einige Reiche skizziert (im Nordwesten Elfen, im Südwesten Zwerge. Nordosten unbekanntes Land) und schon startete die Gruppe. Das hat sich als wunderbare Möglichkeit erwiesen, einerseits immer was zu tun zu haben, andererseits soviel Charakterspiel zu erlauben, wie man wollte und vor allem flexibel auf neue Gruppenmitglieder reagieren zu können.

Player Empowerment

Wat? PE in einer Oldschool Runde? Ticken die Goblins noch ganz sauber? Doch, das klappt. Da das Setting nur grob skizziert war, konnten und sollten Spieler ihre Ideen mit einbringen.  Die zum Dauerbrenner gewordene Gottheit Farselbart (alte zwergische Gottheit, von Menschen übernommen, Handwerk und Braukunst) ist so entstanden, weil der Spieler eines Klerikers eben einen Gott brauchte und den schnell zusammengezimmert hat. Und die kulturellen Gewohnheiten der Zwerge sind auch alles andere als mein alleiniger Verdienst. Sicherlich, es hält sich in Grenzen mit dem PE, wie für eine Sandkiste recht typisch. Aber grundsätzlich sollen Spieler an der Weltgestaltung teilhaben und tun das auch. Ich halte das für einen Grundpfeiler dieser Kampagne. Dadurch wurde das Setting im Lauf der zwei Jahre weiter spezifiziert und mittlerweile haben wir eine Kosmologie, diverse Gruppierungen, Gottheiten, Orte, Eigenheiten der Nichtmenschen und grobe Ideen, was jenseits der Grenzen unserer Sandkiste liegt und vorgeht.

Keine Geheimnisse

Es gibt keine Geheimnisse im Setting für die Spieler. Alle „Spielleiterinformationen“ sind offen zugänglich, ebenso alle Settingabsprachen. Ohne dieses Wissen könnten die Spieler ja auch gar nicht vernünftig empowered werden. Improvisation im Nichts ist keine Improvisation, sondern Stümperei, zumindest widerspricht es meinem Verständnis dieses Begriffs. Natürlich wissen die Spieler nicht, was konkret hinter jedem Plothook oder jeder Dungeontür steckt. Aber sie wissen, wie die Welt für ihre SC erscheint und wie die Welt tatsächlich tickt. Allerdings sind diese Infos ausgelagert. Wer sie haben möchte, kann lesen. Wer sich lieber überraschen lassen möchte und das Setting Stück für Stück entdecken will, kann das ebenso tun.

Großartige Spieler, die sich auf den Stil einlassen

Ich muss es einfach mal sagen: Liebe Kerngruppe, ihr seid so großartig! Ihr habt dauernd irgendwelche coolen Ideen, startet große Projekte, baut Dörfer, legt Handelsabkommen fest – ihr habt einfach haufenweise Ideen ganz abseits einer SL-Bespaßung. Ihr rockt!

Kombiniere "Umgestürztes Regal" und "Ölfläschchen" zu "brennende Barriere". Guybrush Threepwood wäre stolz auf die Jungs!

Kombiniere „Umgestürztes Regal“ und „Ölfläschchen“ zu „brennende Barriere“. Guybrush Threepwood wäre stolz auf die Jungs!

Weird-Gonzo-Kitchensink-Sword&Sorcery-Lovecroftian-LotR-Style

Das trifft es wohl ganz gut. In diesem Setting gibt es recht tolkienesque Ecken und Völker. Es gibt aber auch Städte, die an Lankhmar erinnern. Es gibt Space Elfen und cthuloide Wesen und Artefakte. Es gibt einfach so ziemlich alles, was grob passt und ich behalte mir als SL einfach für die eigene Überraschung vor, fremde Zufallstabellen zu nutzen und zu schauen, wie ich das, was da kommt, eingebaut bekomme. In meiner Wahrnehmung erhöht das ziemlich den Sense of Wonder, die Überraschung der Spieler, womit sie es jetzt wieder zu tun haben. Und bisher hat es immer geklappt, alles organisch einzufügen.

Sicher, diese Kampagne ist offen und hat viele verschiedene Elemente. Aber ich glaube, wir haben eine super Kampagne erdacht. Klar, der Stil mag nicht jedem schmecken, aber er funktioniert.


5 Kommentare on “Aus den Tiefen des Goblinbaus: Die LotFP Runde”

  1. Korig sagt:

    Glückwunsch zu einer tollen Runde!

  2. Tarin sagt:

    Ich habe nochmal den Punkt „Keine Geheimnisse“ ergänzt. Der erscheint mir wichtig.

  3. Da juckt es mich ja fast in den Fingern zu fragen: „Kann man noch mitspielen?“ — allein die liebe Zeit …😐

    • Tarin sagt:

      Aktuell haben wir Aufnahmestopp, weil wir mit 5 Spielern + SL ausgelastet sind. Sollte aber mal wieder was frei sein, kannst du gern mitspielen🙂


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