Nur weil wir rollenspielen, haben wir nicht dasselbe Hobby

Ich bin gerade ein bisschen mopperig. Denn irgendwie scheint eine von mir als ausgestorben empfundene Seuche gerade wieder umzugehen: Das Besserspielertum. In letzter Zeit lese ich immer wieder Kleinigkeiten und Nebensätze, die mich zornig die Faust vor dem Monitor ballen lassen. Zuletzt die Teilzeithelden in ihrer Beitragsankündigung für die Mummy Rezension auf RSP Blogs…

Onyx Path lässt die Mumien in der neuen Welt der Dunkelheit auferstehen und liefert ein eigenwilliges, esoterisches Spiel für anspruchsvolle Rollenspieler.

… vorher aber auch in der Rezi zu Gammaslayers, so es zur leichtgewichtigen SlayEngine heißt:

Auf diese Art und Weise las­sen sich keine kom­ple­xen Per­sön­lich­kei­ten mit einem viel­schich­ti­gen Pro­fil erschaf­fen. So der Spie­ler oder die Spiel­runde auf etwas der­ar­ti­ges aus sind, wird das in den Begleit­text zum Cha­rak­ter müs­sen und die Regeln nicht berüh­ren. Bei Gam­mas­lay­ers baut man zwei­di­men­sio­nale Figu­ren, die sich ledig­lich aus ihren Stär­ken, ihren Fähig­kei­ten und ihrer Aus­rüs­tung konstituieren.

… und auch schon im Faden zu D&D Basic im Tanelorn, wo letztens die Aussage fiel, Aktionen im Kampf müssten verpflichtend beschrieben werden, sonst sei es kein „Rollen“spiel (ich finde den Post nicht mehr, da muss ich die Quelle leider schuldig bleiben). Das sind aber nur Beispiele für diverse Aussagen, die mir sauer aufstoßen. Denn mal ganz ehrlich:

Wer mir an meinem Tisch damit kommt, dass man als anspruchsvoller Rollenspieler auch im Kampf zu verlangen hat, die Rolle auszuspielen, denn es heißt ja auch „Rollen“spiel (höhö) und selbiges nur geht, wenn man entsprechend viele Werte auf dem Charakterbogen hat, fliegt raus.

Nicht, weil ich so einen Spielstil nicht akzeptieren könnte, auch wenn ich insgesamt anders spiele. Sondern weil ich so unglaublich hoch getragene Nasen nicht in meinem Freizeitvergnügen ab kann. Ob und wie weit ausgespielt wird, ist gruppenabhängig. Ob und wie weit Regeln für was genau benötigt werden, ist gruppen- und stilabhängig.

Ich behaupte: Die Klischee-OSR-Runde, die Klischee-DSA-Runde und die D&D 4E Runde spielen komplett unterschiedliche Sachen, man könnte quasi von verschiedenen Hobbys reden. Und ihr wendet ja auch nicht Fußballregeln auf Hockey an.

Also was zur Hölle treibt einen dazu, das so zu verkaufen, als sei die eigene Perspektive die einzig wahre? Denn aus meiner Perspektive nervt mich esoterisches Selbstfindungsgeblubber am Spieltisch, wie mich auch dicke Regeln und Charakterbögen total abturnen und in meiner rollenspielerischen Freiheit beschränken. Wenn das bei euch anders ist, toll! Aber stellt das doch nicht als letzte Wahrheit hin. Damn.

Mopperei Ende.


23 Kommentare on “Nur weil wir rollenspielen, haben wir nicht dasselbe Hobby”

  1. Korig sagt:

    Kann dich verstehen!

  2. Sehr wahr! Darfst von mir aus gerne weiter moppern!🙂

  3. joergsimon sagt:

    gege, du sprichst mir mit der mpperei voll aus der seele, das sehe ich genau so. Und man trifft das doch immer wieder…

  4. Chris Beier sagt:

    Anspruchsvoll =! Elitär

    Es ist GUT Ansprüche an das Hobby zu haben. Ob das nun der Anspruch des Ausspielens von Kampfaktionen ist oder der Anspruch ein taktisches Miniaturen-Spiel mit möglichst wenig Werten zu spielen, ist erstmal egal. Beides hat den gleichen Wert.

    Sich darüber aufzuregen, dass diese Ansprüche in Foren oder Blogs kommuniziert werden, ist aber genauso sinnlos. Was schadet es dir denn, wenn du die Meinung nicht teilst? Oder mir, wenn ich deine Meinung, Leute rauszuschmeißen deren Nasen mir nicht passen, nicht teile? Oder uns Beiden, wenn Norbert mal seine „Nur Würfellos ist gutes Rollenspiel“-Posts ablässt. Stört das irgendwen? Macht das unser Hobby kaputt? Ich denke nicht.

    Ansprüche und Überzeugungen sind eine GUTE Sache, denn sie zeugen von Begeisterung für unser Hobby. Wenn sie in ihrer Begeisterung wenig differenziert daherkommen, dann muss man sie halt unter diesem Gesichtspunkt lesen. Oder es eben ganz lassen.

    • belchion sagt:

      Bliebe die Besserspielerattitüden im Internet, wäre das kein Problem. Blöderweise werden die dann aber auch ins Spiel getragen, inklusive Bekehrungsversuchen und Machtspielchen. Meines Empfindens nach hat sie auch nichts mit einem irgendwie gearteten Anspruch oder Begeisterung für das Spiel zu tun, sondern vor allem mit der festen Überzeugung, den Heiligen Gral des Rollenspiels zu besitzen. Zumindest werden alle, die den eigenen Spielstil nicht teilen, oftmals als minderbemittelt, unwürdig oder ähnliches dargestellt. Ein Gelegenheitsspieler, der mit so etwas konfrontiert wird, versucht nicht, besser zu werden, sondern sucht sich ein neues Hobby.

      • Chris Beier sagt:

        Dann sollte man diesen Attitüden genau dort begegnen – in der Gruppe.

        Zu versuchen diese Ansprüche „präventiv“ auszumerzen ist IMHO der falsche Weg und ersetzt nur ein Dogma durch ein anderes.

    • Tarin sagt:

      @Chris
      Natürlich, jeder von uns hat Ansprüche ans RPG und das ist gut so. Deshalb gibt es ja Spiele, die dir oder mir oder anderen eben mehr und auch weniger liegen. Was mir nur nicht passt, ist die unreflektierte Meinung, in der eigenen Vorliebe ein Axiom fürs Rollenspiel an sich gefunden zu haben. Das ist dann nach meinem Empfinden nämlich nicht mehr anspruchsvoll, sondern elitär.

      • Chris Beier sagt:

        Aber du nimmst doch hier auch deine eigene Vorliebe als Axiom fürs Rollenspiel. Ist nichts schlechtes, solange es im Internet bleibt (ansonsten: siehe meine Antwort auf Belchions Post).

    • 😉
      Du wirst bei mir keine „Nur würfellose ist gutes Rollenspiel“-Artikel finden, Chris. Im Gegenteil, die große Mehrheit meiner Spiele ist MIT Würfeln. Ich sage lediglich, daß würfelloses Spiel den Schauspiel-Anteil im Spiel fordert und fördert.

  5. greifenklaue sagt:

    @Im Internet bleiben: Nun, gerade im Rezibereich ist das aber unangenehm, da hier einigen Systemen Dinge unterstellt werden. Mit Forsaken Colony gibt es ja das Beispiel einer Rezi, nachder das System eingestellt wurde, wo der Spielstil des Autors offenbar nicht zum Testobjekt passte. Sowas ist dann sehr schade.

    • Chris Beier sagt:

      Naja, wenn es nur eine einzige (maßgebliche) Rezi gab, dann wird die Einstellung wohl nicht *nur* mit dieser Rezi zusammenhängen. Wenn sich nur ein einziger Rezensent überhaupt die Mühe macht eine Rezi zu schreiben, und keiner eine Gegendarstellung verfasst, dann lag da wohl schon vorher einiges im Argen.

    • Zornhau sagt:

      Also in der Rezension der Teilzeithelden zu Forsaken Colony (http://www.teilzeithelden.de/2013/05/08/rezension-forsaken-colony/) steht ja der Disclaimer.
      „Dis­clai­mer: Wir waren zwar aktiv am Wer­dungs­pro­zess betei­ligt, neh­men hier aber eine neu­trale und kri­ti­sche Rezen­si­ons­po­si­tion ein.“
      Das heißt doch, daß die Teilzeithelden eben „aktiv am Werdungsprozess“ beteiligt waren, somit also garantiert keinerlei „Unterstellungen“ zu einem System machen würden, das sie ja letztlich mitentwickelt haben.

      Man mag bei der Rezension die Frage nach der Objektivität stellen, wenn doch (Mit-)Schaffende und Rezensenten quasi in „Personalunion“ vorliegen. Aber offenbar trauen sich die Teilzeithelden zu ihre Mitwirkung bei Forsaken Colony komplett zu ignorieren, um ein wirklich objektives Urteil zu fällen.

      Wurde denn Forsaken Colony wirklich „eingestellt“?

      Denn auf der Forsaken Colony Homepage wird auf das reichliche Produktspektrum bei RPGnow.com verwiesen. Offenbar gibt es also das Rollenspiel immer noch: http://rpg.drivethrustuff.com/browse.php?manufacturers_id=5014

      Forsaken Colony ist damit weiterhin lieferbar.

      Oder meinst Du mit „eingestellt“, daß der Autor keine neuen Inhalte mehr produzieren mag?

      Da finde ich aber die Reaktion des „Einschnappens“, weil ein an der Erstellung von Forsaken Colony beteiligtes Web-Mag nun ein wenig kritisch darüber berichtet hatte, schon etwas überzogen. – Wenn an den Kritikpunkten etwas dran ist, dann kann man es ausbessern. Ist nichts dran, dann kann man es ignorieren. – Einstellen muß man hier nichts!

      • greifenklaue sagt:

        Gemeint ist diese Rezi: http://www.aktion-abenteuer.de/b/thema/forsaken-colony.79099/

        Dort hab ich ja schon damals Kritik an der Rezi geübt, nicht weil ich totaler FC-Fan bin, aber hier hat jemand, der einen bestimmten Spielstil pflegt und den offensiv im damaligen Blutschwerter-Forum vertritt, ein Spiel gespielt, dass für seinen Spielstil eher untauglich war.

        Die Info, dass es daraufhin eingestellt wurde, hab ich erst neulich bekommen von einem der damals Beteilgten, hier: http://s176520660.online.de/dungeonslayers/forum/index.php?topic=7319.msg114982#msg114982 (Im weiteren Verlauf des Threads frag ich diesen Punkt auch nach)

        Ja, Du hast natürlich recht damit, dass das keine Art ist. (Andererseits find ich die Rezi auch schlöcht.)

        Aber ich wollte ja auch nur die These angreifen, dass das, was im Internet passiert, auch im Internet bleibt. Merke: Das Internet ist weder Vegas noch der Fight Club ^^

  6. Markus sagt:

    1.) Dazu habe ich bei Norbert Matausch auch neulich einen Beitrag gelesen, der nach Kampfansage schreit.
    http://analogkonsole.wordpress.com/2014/07/08/warum-das-schonste-hobby-der-welt-langweiler-nicht-verdient-hat/

    2.) Wie die GS Rezi da rein passt, erschließt sich mir nicht ganz. Das Zitat benennt den Ansatz der Regeln und gibt keinen Hinweis auf eine wie auch immer zu bewertende Spielweise.

    • greifenklaue sagt:

      Ich glaube, das lag mehr an einem unklaren Vorabbriefing und daraus rsultierenden falschen Erwartungen als daran, dass Deine Rezi nun Besserspielerei befürworten soll.

      (Ein Hinweis darauf gibt es aber doch: Immer wenn „Rollenspiel“ statt „Charakterspiel“ gesagt wird, läuten bei mir die Alarmglocken, aber dass passiert – leider – vielen.

      Leider, weil sie damit andere Aspekte des Rollenspields reduzieren und sich so eben zu Besserspielern machen. Aber meist geschieht dies absolut unabsichtlich, wovon ich auch hier stark ausgehe.)

      • Markus sagt:

        Ich habe mir die 10 Stellen, an denen ich das Wort „Rollenspiel“ verwendet habe angesehen. Ich habe jedes Mal Rollenspiel gemeint, nicht Charakterspiel. Vermutlich könnte man bei Nr. 7 Charakterspiel lesen, es ist aber Rollenspiel gemeint.

  7. Jason_Frost sagt:

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich sehr viel streiten. Aber Dogmen und Päpste gibts ja überall :o)

  8. ghoul sagt:

    Bravo für die Erkenntnis. Du bist nicht der erste (ich übrigens auch nicht), der konstatiert, dass völlig verschiedene Hobbys „Rollenspiel“ gespielt werden.
    Diese Einsicht macht es einem wesentlich einfacher, zu ertragen und zu ignorieren, was andere über „Rollenspiel“ zu sagen haben.

  9. greifenklaue sagt:

    @Markus: Hast Du recht, Entschuldigung! Habe wohl in letzter Zeit zuviel Rezis gelesen und das hatte ich irgendwie noch so im Hinterkopf, aber es ist völlig richtig, das ist Dir gar nicht passiert.

    • greifenklaue sagt:

      Beim Grübeln im Auto ist es mir auch wieder eingefallen, wo ich es las, es war in der Diskussion über Deine Rezi im DS-Forum, von einem anderen User:
      „Beim Thema Immersion habe ich mich gefragt, ob der Rezensent normalerweise eher rollenspiellastigere Werke spielt und weniger die Action betonten.“
      Also, nochmals Entschuldigung!

  10. Hannes sagt:

    Ich finde schon, dass man von einem einzigen Hobby sprechen kann. Wenn man das Ganze mit ein bisschen Abstand betrachtet – versetzt euch in jemanden, der noch nichts dergleichen kennt! -, dann ist die enge Verwandtschaft aller Rollenspiele offensichtlich.

    Wer freilich die Bezeichnung nur für seine Ecke des Hobbys beansprucht (oder diese als das einzig ‚wahre/anspruchsvolle/usw.‘ Rollenspiel begreift), zeigt, dass er von seinem eigenen Hobby wenig Ahnung hat. Wer Diceless, Forge Spiele, Old School usw. usf. kennt – d.h. selbst mit ein paar unterschiedlichen Leuten gespielt oder geleitet hat -, der weiß, dass man mit all diesen Spielarten Spaß haben kann (auch wenn man naturgemäß Präferenzen entwickelt).


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