A Red and Pleasant Land

oder: „Bram Stoker’s Alice in Wonderland“

Was passiert, wenn ein Zak Sabbath ein Setting füt LotFP schreibt? Wer Vornheim kennt, hat schonmal die ungefähre Richtung: Abgefahrene creepy Fantasy abseits von Tolkien. Soweit so gut, das trifft auch auf ARAPL zu. Ich hatte endlich die Zeit, das Produkt durchzulesen und habe damit ebenfalls wieder (hoffentlich) interessanten Input für den Goblinbau.

Harte Fakten:

  • Titel: A Red and Pleasant Land
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • Autor: Zak Sabbath
  • System und Verlag: Lamentations of the Flame Princess/OSR/D&D
  • Vollfarbiges Hardcover, 187 Seiten (192 inkl. Leerseiten)
  • Preis: € 35,75 (Print+PDF),  € 11,87 (PDF)

Ersteindruck:

A Red and Pleasant Land ist zunächst einmal außerordentlich hübsch, insbesondere das Printprodukt. Der Einband des A5 Buches ist mit rotem Stoff überzogen, die Schrift und Rahmen sind in Gold gesetzt, der Stoff selbst schimmert ebenfalls leicht golden. Es hat etwas von einem Märchenbuch, durchaus beabsichtig, würde ich sagen. Das Papier selbst erinnert farblich und strukturell ebenfalls an alte Bücher aus Omas Schrank oder dem Antiquariat. Ich mag die Optik. Ein Lesezeichen tut sein übriges, um hier eher an einen Phantastikroman als an ein Spiel denken zu lassen.

Was genau sind die „Red Lands“?

Die Red Lands sind ein Setting, das sich insbesondere an Alice in Wonderland und Dracula orientiert. Das Land, auch als „The Place of Unreason“ bekannt, wurde vor der bespielten Zeit vom Red King (denke: Dracula) regiert. Das gesamte Land wurde von seinem Palast bedeckt, versetzt mit riesigen Gärten und noch größeren Katakomben. Durch den Krieg mit einer weiteren Vampirmonarchin, der Queen of Hearts, wurde der Palast zerstört und der Ort zu den jetzigen Red Lands. Zwischen den alten Gärten, zerfallenen Mauern und den Wäldern (die dort entstanden, wo die Gärten wucherten) fallen die Schergen des Red King und der Queen of Hears übereinander her. Außerdem sind zwei weitere Vampirlords seit Kurzem als Big Player anzutreffen, die die Waagschalen nochmals gehörig verändern könnten.

Neben den Vampirarmeen finden sich diverse bekannte und unbekannte einzigartige Kreaturen im Setting, die meist einer Partei zugeordnet werden können, einige wenige bleiben auch neutral. Hier finden sich die Grinsekatze, der verrückte Hutmacher, Draculas Bräute usw. – meist mit einem kleinen Twist gegenüber den Alice-Varianten.

Das Setting ist stark auf Intrigen- und Politspiel ausgelegt. Laut Zak geht es aus SL-Sicht permanent um die Frage, wer etwas von den Taten der SC hat und wem sie ans wunderländische Bein pinkeln. Nennen wir es also am ehesten eine Polit-Sandkiste. Die NSC sind dabei durchaus interessant genug, um mit ihnen zu interagieren, aber keiner von ihnen ist unverwundbar, vom kleinsten Soldaten bis hin zu King und Queen.

Aufarbeitung:

Die schon in Vornheim zu findenden Stärken gibt es auch hier: Kreative Zufallssammlungen, die Instant-Orte mittels Dice-Drop-Tables und ein in sich geschlossenes und abgestimmtes Setting. Allerdings gibt es auch optisch den typischen Zak S. Stil, der zwar für sich genommen irgendwie rockt, allerdings mir persönlich für Karten usw. VIEL zu unruhig ist. Sieht ja toll aus, aber Karten möchte ich im Spiel schnell kapieren können.

Es gibt nebenbei eine neue Charakterklasse für OSR Spiele: „Die“ Alice bzw „den“ Alistair. Man denke an die Namensgebende aus Alice in Wonderland + „The Chosen One“. Ist nett, muss nicht zwangsweise sein. Es gibt Zusatzregeln für Duelle in den Red Lands, Zufallstabellen, ein paar vorgefertigte Gebiete und eben das, was man so in OSR Produkten an Beiwerk erwartet (sieht eben nur besser aus als die meisten).

Kann man es spielen?

Kann man. Wenn man sich aufs Wunderland einlässt. Der SL kann hier nach Herzenslust Naturgesetze außer Kraft setzen, Entfernungen verkürzen und verlängern, Blödsinn einführen (Teezeit-Steuer, bewegte Füße-Steuer) und mal ziemlich außergewöhnliche NSC einführen – mein Favorit ist die Pseudoturtle (ich spoilere jetzt nicht weiter). Allerdings mag ich die Welt lieber ein wenig planbarer, damit die Spieler nicht permanent rumgeschubst werden, sondern selbst aufgrund von verlässlichen Annahmen agieren können. Die Annahme, nichts annehmen zu können, hilft da nicht weiter.

Ich würde sagen, A Red and Pleasant Land ist ganz cool, solang die Gruppe weiß, worauf sie sich einlässt. Alternativ als Zwischenspiel für eine Gruppe, die „durch den Spiegel geht“ und dort absichtlich bestimmte Annahmen außer Kraft setzt. Ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen, das Setting mal zu bespielen.


6 Kommentare on “A Red and Pleasant Land”

  1. Du Glücklicher! Du hast es wohl schon aus Finnland erhalten. Ich warte noch immer. Mein Paket ging (erst) am 17.12. raus. Und Deines?

  2. Yog Slogoth sagt:

    Spannender als eine Rezension vom Durchblättern, würde ich einen Spielbericht finden!

    • Tarin sagt:

      Gern, machst du eine?😉 Ich komme aktuell leider gar nicht zu unser aller liebstem Hobby. Der Nachwuchs bindet alle Ressourcen, bis er etwas größer ist.

      • Anonymous sagt:

        Einige der Probleme die Du ansprichst sehe ich auch. Ich könnte meine Gruppe nach Voivodja bringen, aber ich bin nicht sicher ob Sie freiwillig da bleiben würden…


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